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Neuerscheinungen

Juli Zeh Unterleuten

Unterleuten

Von Juli Zeh

Wir befinden uns in einem Ex-DDR-Dorf namens Unterleuten, irgendwo in Brandenburg.

Wer diesen Roman beginnen möchte, tut gut daran, im Klappentext den Dorfplan zu studieren oder auf die Webseite www.unterleuten.de zu klicken. Dort ist das fiktive Dorf Unterleuten sehr anschaulich dargestellt.

In jedem Kapitel lernen wir neue Bewohner kennen und da sich die Erzählperspektive abwechselt, bekommen wir einen vollumfänglichen Einblick in die Machenschaften der Dorfgemeinschaft. Dazu gehören zum Beispiel: der Vogelschützer und Neuzuzüger Gerhard, mit seiner Frau Jule und ihrer halbjährigen Tochter; Linda, eine Pferdeflüsterin die mit ihrem Freund ein altes Haus mit viel Umschwung renoviert; Gombrowski, der Landwirt von Ökologica GmbH, der grösste Arbeitgeber der Region; sein Erzfeind Kron; der Automechaniker und Kleinkriminelle Bodo Schaller etc.

Ja, Unterleuten ist eine eigene Welt, in der es nur so brodelt von Tratsch, Lügen, Intrigen, menschlichem Aufbäumen und Resignation. Alle Bewohner sind miteinander verstrickt durch ihre persönlichen Erlebnisse und geprägt von der politischen Wende. Beim Lesen wird mir klar, dass es nicht gut ausgehen kann, denn jeder Bewohner ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und so spitzt sich die Lage zu... Ein brisanter 600-seitiger Gesellschaftsroman der unglaublich spannend menschliches Zusammenspiel aufzeigt.

btb Verlag, broschiert, 2017

Katharina Corchia 

 
 
 

 
 
Nell Leyshon Die Farbe von Milch

Die Farbe von Milch

Von Nell Leyshon

Mit diesem, ihrem zweiten Roman, wurde die englische Autorin Nell Leyshon neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert.

<Die Farbe von Milch> ist ein faszinierender Roman mit einer starken Frauenfigur im Zentrum, welche uns ihre Geschichte erzählt.

"Dies ist mein Buch und ich schreibe es eigenhändig. Es ist das Jahr des Herrn achtzehnhundertundeinunddreissig und ich bin fünfzehn geworden. [...] Ich will erzählen was passiert ist. [...] Und zwar von Anfang an." (Beginn, S. 7)

Mary, Bauerstochter und harte Arbeit gewöhnt, zieht mit 15 Jahren ins Pfarrhaus um die kranke Pfarrersfrau zu pflegen. Nachdem diese stirbt, bleibt sie alleine mit dem Pfarrer zurück. Dieser lehrt sie lesen und schreiben. Doch ihr Schicksal nimmt bald eine dramatische Wendung...

"Und jetzt bin ich fertig und habe dir nichts mehr zu erzählen. Und nun werde ich diesen allerletzten Satz zu Ende schreiben und mit dem Löschblatt die Feuchtigkeit aufsaugen wo sich die Tinte am Ende der Buchstaben in kleinen Pfützen gesammelt hat. Und dann werde ich frei sein." (Ende, S. 207)

Eine eindrückliche Geschichte über Klassenunterschiede, Armut und das Leben einer standeslosen Frau in einer patriarchalischen Welt. Mit einem starken, berührenden Ende. Geschrieben in einer reinen, poetischen Sprache. Und von beeindruckender Ehrlichkeit!

Julia Eisele Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Harry bingham fiona als ich tot war

Fiona - Als ich tot war

Von Harry Bingham

Diese Kriminalgeschichte übertrifft die meisten Krimis die ich bisher gelesen habe!

Grund dafür ist die äusserst intelligente und mutige Polizistin Fiona, die als verdeckte Ermittlerin in einen gefährlichen Fall eingesetzt wird. Es geht um sehr viel Geld, um Abrechnungsbetrug von Firmen und verdächtige Kontobewegungen. Um der kriminellen Organisation auf die Schliche zu kommen, schlüpft Fiona in mehrere Frauenrollen, die sie meisterhaft zu spielen versteht.

Der englische Autor zeigt auf, mit was für Tricks und Spielchen eine Undercover-Agentin zu tun hat. Eine schlafraubende Story mit viel Tempo, raffinierter Psychologie und einigen Toten! Der Autor verleiht im Nachwort all den mutigen verdeckten Ermittlern eine Stimme, deren öffentliche Anerkennung im Verborgenen bleiben muss. Die Ereignisse dieser Geschichte sind frei erfunden. Aber die Tatsachen basieren auf intensiven Recherchen und Gesprächen mit Ermittlern, darum erschreckend und zugleich faszinierend!

Wunderlich Verlag, 2017

Katharina Corchia

 

 
 
 

 
 
Anstand Matthew Quick

Anstand

Von Matthew Quick

„Er liebt sein Land, das er nicht mehr versteht. Er hasst die Liberalen. Er schläft nicht ohne seine Waffen. Er ist das Gegenteil von politisch korrekt. Er ist unbequem. Er liebt seine Enkelin Ella über alles. Er hat einen Gehirntumor, für den er das Agent Orange aus dem Vietnamkrieg verantwortlich macht. Er überlebt die Operation. Er nimmt die letzte Chance wahr, sich mit seiner Vergangenheit, seinem Sohn und seinem Erzfeind aus dem Krieg, Clayton Fire Bear auszusöhnen. Er heisst David Granger, 68 Jahre, Vietnamveteran. Er ist: Ein Mann mit Anstand.“ (Buchumschlagstext)

Und was für einer! Der Ich-Erzähler gibt uns einen eindrücklichen Einblick in sein „Seelenleben“. Die Sprache und das Thema kann eine Herausforderung für den Lesenden sein und die Bilder welche der Ich-Erzähler – vor allem am Angang – heraufkommen lässt, sind zum Teil nichts für schwache Nerven. David Granger war im Vietnamkrieg und dieser hat auf vielen Ebenen Spuren hinterlassen. Und doch... der Mann ist sehr feinfühlig, hilfreich und ein liebenswerter Grossvater. Ein Mann mit Anstand!

Als ich an den letzten 40 Seiten des Romans war haben wir Besuch erhalten. Bevor ich mich dem Besuch widmen konnte, musste ich einfach diese letzten Seiten zuerst fertig lesen.

Der Roman ist für mich die Entdeckung im Herbst 2017!   

HarperCollins Verlag, 2017

 Eduard Hirschi 

 
 
 

 
 
Rolf von Siebenthal Letzte Worte

Letzte Worte

Von Rolf von Siebenthal

"Die Berner Ständerätin Eva Bärtschi wird in ihrem Haus in Worb erschossen. Was zunächst als Raubmord aussieht, entpuppt sich als verzwickter Fall. Auf dem Computer der Ständerätin sollen sich verschlüsselte Dokumente befinden, die Politiker und Firmenchefs zu Fall bringen könnten. Unter grossem Druck macht sich Bundeskriminalpolizist Alex Vanzetti auf die Suche nach dem Täter und nach einem Schlüssel zu den Unterlagen. Hilfe bekommt er von der pensionierten Journalistin Lucy Eicher. Sie erhofft sich Antworten auf Fragen, die sie seit 40 Jahren quälen." (Buchumschlagstext)

Die Geschichte ist zwar Fiktion, Personen und Ereignisse sind frei erfunden. Doch real ist die Geschichte des Geheimarchivs des Zürcher FDP-Politikers Ernst Cincera, welche im Buch eine wichtige Rolle spielt. Der Autor gibt uns dadurch einen kurzen Einblick in ein Stück Schweizer-Geschichte und Politik der 70-er Jahre. Sehr feinfühlig beschreibt er zudem den Beginn der Liebe zwischen der draufgängerischen Journalistin Zoe und dem pragmatischen Polizisten Alex. 

Eine Gefühlsachterbahn von Kaltblütigkeit bis Zärtlichkeit... und sehr spannend!

Friedrich Reinhardt Verlag, 2017

 Monika Künzler 

 
krystal Sutherland unsere verlorenen herzen

Unsere verlorenen Herzen

Von Krystal Sutherland

Henry ist 17 Jahre alt und es war sein letztes Jahr an der Highschool, als er Grace Town zum ersten Mal sah. Sie war wie ein Junge angezogen, sah ungepflegt aus und hatte ein kaputtes Bein. Henry fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Durch die gemeinsame Arbeit an der Schülerzeitung kommen sie sich ein wenig näher. Aber Grace lässt Henry fast nicht an sich ran. Bis es auf einer Party plötzlich zu einem Kuss kommt. Henry ist unsterblich in sie verliebt. Doch Grace umgibt ein Geheimnis, das zwischen ihnen steht und weshalb Henry nur schwer an sie rankommt. Er versucht nachzuforschen und entdeckt, dass die Grace von früher nicht mehr existiert. Die Grace, die er kennt ist eine traurige Version der alten Grace. Die um einen geliebten Menschen trauert. Trotz allem möchte Henry sie nicht aufgeben.

Die Geschichte wird von Henry erzählt, wie er es erlebt und mit seinen Gefühlen. Es ist eine etwas andere Liebesgeschichte mit speziellen Charakteren. Sie ist traurig aber trotzdem schön und an einigen Stelle auch witzig. Mir hat sie gefallen. 

Ab 14 Jahren.

cbt Verlag, 2017

 Rebecca Schuler (16 Jahre) 

 
 
 

 
 
mariana ledy was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann

Von Mariana Leky

Die Geschichte hat wenig Handlung, es ereignet sich nichts Weltbewegendes in dieser kleinen Dorfgemeinschaft im deutschen Westerwald. Aber mir kommt ein Sprichwort von Lao-Tse in den Sinn, das so gut zu dieser Geschichte passt: Wer nicht aufs Kleine schaut, scheitert am Grossen.  

Die Gemeinschaft besteht aus liebenswerten, eigensinnigen und auch etwas sonderbaren Menschen. Beim Lesen begleiten wir die 10-jährige Hauptperson Louise bis ins Erwachsenenalter. Ihre Grossmutter Selma träumt immer wieder von Okapis mit schwerwiegenden Folgen für das ganze Dorf. Und der Optiker kann seine Liebe zu Selma nur in Briefanfängen offenbaren.  

Die Sprache fällt auf! Virtuos und mit einem heiteren Ton beschreibt die Autorin die Freuden und Leiden einer Gemeinschaft, deren Mitglieder zueinander halten und aufeinander aufpassen. Ich habe das Buch wie in einem Traum gelesen, märchenhaft verspielt löst es einen zauberhaften Lesesog aus.

Für alle, die etwas ganz Besonderes lesen möchten!  

Dumont Verlag, 2017

 Katharina Corchia 

 
 
 

 
 
markus Orths max

Max

Von Markus Orths

Sechs Frauen. Sechs Leben. Ein Jahrhundert.

Der rote Faden in diesem Roman bildet die Lebensgeschichte des deutschen Künstlers Max Ernst. Damit verwoben werden sechs Frauenleben sowie der gesellschaftliche, kunsthistorische und politische Hintergrund des 20. Jahrhunderts.

Die Geschichte ist chronologisch aufgebaut nach den Lebensphasen von Max Ernst an der Seite von sechs völlig unterschiedlichen Frauen:                                       Lou?                 Kontrast, Überraschung und Klugheit                                         Gala?               Körper, Eleganz und Grazie                                                        Marie-Berthe?   Erniedrigung, Verfügbarkeit und Schmerz                                     Leonora?          Versenkung, Tauchen und Zeitstille                              Peggy?             Durst, Befriedigung und Eitelkeit                                               Dorothea?         Ruhe, Hingabe und Raum                          (S. 566)

In gekonnter, dem Inhalt bzw. Max Ernst's Lebensphase entsprechender Sprache, entwirft der Autor das "Panorama einer wahnwitzigen Zeit".

Der beeindruckende Roman vermittelt auf lebendige Weise einen Einblick ins vergangene Jahrhundert... eindrücklicher und nachhaltiger als manches Geschichtsbuch! Und ist zugleich ein leidenschaftlicher Liebesroman.

ver-rückt, fesselnd, tragisch. Die Lektüre lohnt sich!  

Hanser Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Carmen Stephan it's all true

It's all true

Von Carmen Stephan

Ein philosophischer Roman über Orson Wells, über brasilianische Fischer und ein gescheitertes Filmprojekt.  

Wir schreiben das Jahr 1941. In Brasilien müssen Fischer ihren Fang teilen, sie verdienen viel zu wenig um für den Lebensunterhalt aufzukommen. Einer der Fischer, Jacaré, will das ändern. Zusammen mit 3 Freunden baut er ein Floss und gemeinsam fahren sie damit über 2'3000 km von Fortaleza nach Rio um mit dem Präsidenten zu sprechen. Ohne Navigationsgerät, ohne Schuhe und  lediglich leicht gekleidet. Die Reise ist beschwerlich. Nach über 60 Tagen erreichen sie ihr Ziel. Das Treffen mit dem Präsidenten ist erfolgreich, die Gesetze werden geändert.

Auf die Heldentat der Fischer wird auch der erfolgreiche Hollywood-Regisseur Orson Wells aufmerksam. „Vier Männer auf einem Floss“ wird ein Film-Projekt von ihm. Während den Dreharbeiten wird Jacaré jedoch tragischerweise aus dem Floss geschleudert und ertrinkt.  

Carmen Stephan schreibt basierend auf Fakten einen aussergewöhnlichen Roman, geschrieben in einer präzisen, knappen Sprache.

Mit 116 Seiten eine kurze Geschichte die berührt und zum Denken anregt.

Fischer Verlag, 2017

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Paolo cognetti acht berge

Acht Berge

Von Paolo Cognetti

Cognetti erzählt in seinem Buch von einer wundersamen Freundschaft zwischen zwei Kindern. Eine Freundschaft, welche sich durch beider Leben schlängelt bis ins reife Mannesalter. Eine Freundschaft auch, welche definitiv einen Unterschied macht. Jeder ist Referenzpunkt des Andern. Tief, anrührend, sinnstiftend. Einerseits eingebettet in Sehnsüchte von einer Rückkehr zu Naturerfahrungen und andererseits die brutale Konfrontation mit realer Natur. Der Junge aus der Stadt trifft auf den Landjungen. Pietro und Bruno. Auch eine Geschichte von Söhnen und ihren Vätern und von der Suche nach dem eigenen Platz im eigenen oder fremden Leben. Und von der verbindenden Kraft der Mütter. Cognetti macht aus den Tieren, dem Moos, den Schneeflocken, dem See, der sich wie schwarze Seide im Wind knisternd kräuselt ein sinnliches Leseerlebnis. Wieder ein Buch, welches mit suggestiver Kraft die Frage aufwirft, ist ein alternatives Leben möglich? Ein Leben abseits lärmiger Urbanität? Ein Leben im Funkloch? Pietro und Bruno suchen auf unterschiedliche Weise danach. Soll man einen grossen Berg oder acht Berge besteigen? „Was auch immer das Schicksal für uns bereithält – es kommt von den Bergen, die über uns emporragen.“Eine Erkenntnis des Vaters, welche sich im Sohn fortpflanzt. Dieses „Was auch immer“ wird zuletzt zur Todeserfahrung, der eigenen oder der beobachteten. Zuvor jedoch versucht der Protagonist etwas zu hegen und pflegen, wie Goethe in seinem Gedicht „Ich ging im Walde“, spricht er vom Bäumchen „und grub es mit all seinen Wurzeln aus“, um es zu pflanzen am „hübschen Haus“. Neben einer vom Vater an Pietro vermachten baufälligen Ruine wird die Zirbelkiefer neu eingepflanzt und zusammen errichten Pietro und Bruno das Haus – ihr gemeinsamer Zufluchtsort. Jahre überdauert das Pflänzchen, bleibt jedoch schwach und krumm. Genauso wie Pietros heimatlichen Gefühle. Bruno ist eindeutig Bergbauer – es ist seine Berufung, ohne Kompromisse. Die anderen, seine Maurerkollegen „orientierten sich nach unten, wo es Arbeit und Geld gab, statt nach oben, wo nichts als Gestrüpp und Ruinen auf sie warteten“. Bruno konnte dem Ruf der Berge nichts entgegensetzen.  

Cognetti findet in seiner klaren Sprache zu den Tiefen menschlicher Beweggründe ohne diese wortreich zu bemühen. Er wandert sich durch die gebirgigen Seelenlandschaften seiner Figuren und findet für jede Charaktere die angepassten Höhen, Farben und Winde. Ein stimmiges Buch, welches zu Recht in seinem Heimatland begeistert aufgenommen wurde.  

Für mich eindeutig einer der funkelnden Sterne am Bücherhimmel dieses Herbstes!

DVA Verlag, 2017

Jeannette Büsser

 
 
 

 
 
Miika Nousiainen Die Wurzel alles Guten

Die Wurzel alles Guten

Von Miika Nousiainen

Ab sofort muss ich nur an dieses Buch denken und mein Zahnarztbesuch versetzt mich in eine heitere Stimmung! Ja, diese Geschichte ist ziemlich schräg, geschrieben von einem Finnen, der weiss wie man eine originelle Story erzählt.

Pekka, ein Werbetexter lernt seinen Halbbruder Esko kennen, einen äusserst pflichtbewussten Zahnarzt! Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach ihrem Vater, den sie nie gekannt haben. Die Reise geht um die halbe Welt, auf der weitere Halbgeschwister auftauchen! Grundverschieden in ihrer Art, erleben sie, was es heisst plötzlich Geschwister zu haben. Eine Erfahrung, die sie nachhaltig verändert und aus ihrem Alltagstrott befreit.  

Die Quintessenz oder die Moral der Geschichte: Das Leben kann man auch wie eine Wurzelbehandlung anschauen, denn so sind auch die Kapitel benannt: Untersuchung – Öffnung – Reinigung des Wurzelkanals – Überkronung – Nachkontrolle. Zur Übersetzung bitte das Buch kaufen und lesen, viel Vergnügen!

Nagel & Kimche Verlag, 2017

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Erin Jade Lange Halbe Helden

Halbe Helden

Von Erin Jade Lange

Tagsüber berichtet Erin Jade Lange über Fakten, nachts schreibt sie Romane: die Autorin nutzt ihre journalistische Erfahrung, um aktuelle Themen erzählerisch aufzuarbeiten und dabei zu untersuchen, wie sie Jugendliche beeinflussen. (Klappentext)

Dies ist der amerikanischen Autorin in diesem, ihrem zweiten Roman, bestens gelungen.

Mit viel Charme, Witz und Feingefühl beschreibt sie die Entstehung einer Freundschaft zwischen drei völlig unterschiedlichen Teenagern und deren unterschiedlichen Strategien ihren Alltag zu meistern. Dies ohne zu werten.

Zum laut Lachen sind die Passagen, in welchen die Aussagen/Gedankengänge von Billy D., dem neuen Schüler mit Downsyndrom, den coolen Dane mit seinem gefestigten schwarz-weiss-Denken völlig aus dem Konzept bringen.

Ein wertvolles Buch für Jung und Alt zu den Themen Freundschaft, Anderssein, Gewalt, Umgang mit Emotionen und Familienstrukturen.

Magellan Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
 
Mareike Krügel Sieh mich an

Sieh mich an

Von Mareike Krügel

„ Manchmal denke ich, ich bin eine Art Spinne im Netz, dessen Fäden zu all den Leuten reichen, die ihr wichtig sind. Sobald sich einer von ihnen bewegt, zittert oder ruckt der Faden, und ich zittere oder rucke mit.....denn ich reagiere auf jede Erschütterung meines Netzes.....“ S. 29  

Katharina, die 40 jährige Ich-Erzählerin macht eine Entdeckung, die sie noch niemandem erzählt hat. Das rückt den ganz normalen und verrückten Wahnsinn ihres Familien-Alltags in ein anderes Licht. Als Mutter, Ehefrau, Nachbarin und Freundin arrangiert sie sich so gut es geht und beschreibt mit viel Menschenkenntnis und Empathie die typischen Familien-Episoden, urkomisch und doch so nah am Leben. Wird sie ihr Geheimnis verraten können und wie?  

Eine intime und lebendige Geschichte, die ich in einem Zug gelesen habe. Ich bin begeistert von ihrer witzigen und gleichzeitig tiefsinnigen Erzählweise, ein wahrer Lesegenuss!

Piper Verlag, 2017

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Laura McVeigh als die träume in den himmel stiegen

Als die Träume in den Himmel stiegen

Von Laura McVeigh

"Es gibt Reisen, die wir niemals unternehmen wollten. Und dennoch treten wir sie an. Wir treten sie an, weil wir es müssen, weil es der einzige Weg ist, um zu überleben."

Mit diesem Satz startet das Debüt der irischen Autorin Laura McVeigh. Als Direktorin des "Global Girls Fund", der sich weltweit für Gleichberechtigung und Bildungschancen für Mädchen einsetzt, reiste sie nach Afghanistan. Berührt und beeindruckt von Land und Leuten, schrieb sie diese Geschichte.

Die junge Samar muss mit ihrer Familie aus Kabul flüchten. Sie ziehen in ein Bergdorf im Hindukusch. Doch auch dort sind sie mit der Zeit nicht mehr sicher. Die Taliban überfallen das Dorf und so bleibt Samar und ihrer Familie nur die Flucht über die Grenze. Samar verlässt ihre Heimat, wo sie trotz der Umstände auch unbeschwerte Kindheitsjahre verbracht hat. Kraft um die lange Flucht durchzuhalten schöpft Samar aus ihrer lebhaften Phantasie. Dadurch gelingt es ihr auch, uns Lesenden ihre Geschichte zu erzählen.

"Jede Reise, so weit sie auch sein mag, führt uns nach Hause." (S. 71)

Eine berührende und spannende Lektüre. Ein zeitloses und wichtiges Buch!

Fischer Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Malakeh Jazmati

Malakeh - Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat

Von Malakeh Jazmati

Die in ihrer Heimat gefeierte TV-Köchin Malakeh (was Königin bedeutet) musste 2015 aus Syrien flüchten. Im Gepäck nahm sie 60 Rezepte aus ihrer Heimat, ihrer Kindheit, ihrer Familie mit. Kochen sei für sie vor allem eines: das Allheilmittel gegen Heimweh.

Nebst den Rezepten und der ansprechenden Gestaltung mit vielen Fotos, schildert uns die Autorin zwischen den Seiten auch die jeweilige Geschichte zu den Essen, sie beschreibt die verschiedenen Landschaften und Regionen und erzählt von ihren Traditionen.

Eine kulinarische Reise in ein Land welches zur Zeit wegen des Krieges nicht bereisbar ist.

SZ Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Die Wege des Honigs Eric Tourneret Sylla de Saint Pierre

Die Wege des Honigs

Von Eric Tourneret und Sylla de Saint Pierre

Seit Jahrtausenden begleiten Bienen den Menschen überall auf der Welt. Als Sammler, Imker oder "Dieb". Und ohne die Rolle der Bienen als Bestäuber der Blüten wäre es heute schlecht um die Ernährung der Menschheit bestellt.

Über 10 Jahre lang bereiste der Fotojournalist Eric Tourneret die Welt auf der Suche nach Bienen und der traditionellen Honiggewinnung. Dabei entstanden aussergewöhnliche Fotos. Zum Beispiel auf den riesigen Bäumen Indonesiens, an den Felshängen der Irula in Indien, im afrikanischen Omo-Tal, bei den schwarzen Beuten der Türkei, bei den Stachellosen Bienen Brasiliens oder bei den Honigameisen des australischen Busches.

Begeben Sie sich mit diesem Bildband auf die faszinierenden Wege des Honigs.

Die Texte zu den Bildern hat Sylla de Saint Pierre, die Ehefrau von Eric Tourneret, verfasst. Ergänzt werden sie von Beiträgen elf renommierter Wissenschaftler, die überraschende Aspekte des Bienenlebens vorstellen.

Ulmer Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Moosflüstern Joachim B. Schmidt

Moosflüstern

Von Joachim B. Schmidt

Gleich auf der ersten Seite habe ich das Gefühl, ich sitze in einer isländischen Kneipe neben der Hauptfigur und höre gespannt zu!

Heinrich Lieber, Familienvater und Bauingenieur aus der Schweiz, geht in Island auf die Suche nach der Vergangenheit seiner inzwischen verstorbenen Mutter. Seine Erkundungen stürzen ihn in eine Sinnsuche seines Lebens. Gleichzeitig spricht auch die Mutter und schildert, wieso sie damals traumatisiert nach dem Krieg die Familie für Island verlassen hat. Geschickt wechselt der Autor die zwei Erzählperspektiven, sodass die Spannung unaufhörlich steigt.

Der Autor benutzt eine unglaublich differenzierte und fantasievolle Sprache. Seine Naturbeschreibungen versetzen den Leser in die raue Gegend Islands und in die Gefühlswelten deren Bewohner. Kein Wunder, denn der Autor, geboren in Graubünden, wohnt in Island!

Dieser Roman löst ein sagenhaftes Kopfkino aus; eine wunderbare tiefgründige, unterhaltende und auch witzige Lektüre zum Geniessen!

Landverlag, 2017

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Die Liebeserklärung Jean-Philippe Blondel

Die Liebeserklärung

Von Jean-Philippe Blondel

Der Autor erzählt in seinem neuen Roman auf leichtfüssige und tiefgründige Art, was der Mensch braucht, um sich glücklich zu fühlen.

Dem jungen Corentin begegnen in seinem Job als Hochzeitsfotograf die unterschiedlichsten Paare. Corentin selbst ist noch auf der Suche nach wahrhaftiger Liebe und einem Leben, welches ihn mit Leidenschaft und Begeisterung erfüllt. Berührend ehrlich und mit scharfem Blick berichten Corentins Eltern und seine Freunde über ihre Beziehung zum Protagonisten des von J.P. Blondel gekonnt erzählten Romans.

Eine lesenswerte Neuerscheinung über des Menschen Begegnungen mit seinen Mitmenschen -zum Schmunzeln, Nachdenken und Innehalten.   

Deuticke Verlag, 2017

Yvonne Leu

 
 
 

 
 
Die vier Jahreszeiten Antonio Vivaldi Jessica Courtney-Tickle

Die vier Jahreszeiten - Antonio Vivaldi

Illustriert von Jessica Courtney-Tickle

Ein Musik-Bilderbuch zum Sehen und Hören für Kinder ab 3 Jahren.

Mit dem Mädchen Isabella und ihrem Hund geht es auf eine wunderbar bunte Reise durch die vier Jahreszeiten - begleitet durch Musik von Vivaldi. Vom Vogelchor am frühen Morgen im Frühling bis zum eisigen Sonnenuntergang im Winter. Und währen wir der Musik zuhören, gibt es auf den Bilderbuchseiten einiges zu entdecken.

Prestel Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Shawn Vestal Loretta

Loretta

Von Shawn Vestal

Arizona und Idaho in den Siebzigerjahren. Drei Jugendliche und deren Wunsch, aus den gegebenen Strukturen auszubrechen.

Loretta, welche von ihren Eltern, strengen Mormonen, als Strafe für ihre heimlichen Ausgänge als Zweitfrau mit einem ebenfalls strenggläubigen Mormonen verheiratet wird. Jason, Bewunderer eines gefeierten, draufgängerischen Motorradhelden. Ebenfalls aus einer Mormonenfamilie, jedoch gemässigterer Einstellung. Boyd, ohne Vater aufgewachsen, jedoch von dessen indianischer Herkunft erkennbar gezeichnet und dadurch auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie. Alle drei Träumen von Freiheit. Inhaltlich unterscheidet sich diese allerdings sehr. Dem sind  sich die drei bei der gemeinsamen Fluchtplanung allerdings zu wenig bewusst. Dies ist der Grund, weshalb der Ausbruch schlussendlich nur einer der drei Personen gelingt.

Eine raffiniert aufgebaute und wilde Geschichte. Geschrieben von einem Autor welcher selber in einer Mormonen-Familie aufgewachsen ist und welcher die Mormonen-Gemeinde als Erwachsener verlassen hat.

Kein und Aber Verlag, 2017

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Olivier Bourdeaut Warten auf Bojangles

Warten auf Bojangles

Von Olivier Bourdeaut

Es gibt immer wieder Bücher dessen Stimmungen mir noch lange in Erinnerung bleiben. So erging es mir auch bei dieser Neuerscheinung! Wir lernen die Geschichte einer unkonventionellen Familie kennen. Erzählt wird sie abwechslungsweise vom 9-jährigen Sohn und vom Vater. Im Zentrum steht die Mutter und ihre verrückte Art, das Leben in vollen Zügen auszukosten. Unberechenbar und aussergewöhnlich gestaltet sich darum der Alltag von den Dreien. Beim Lesen wirkt diese verspielte Lebensfreude einerseits ansteckend, anderseits fragt man sich mit der Zeit, ob das wohl so weitergehen kann.... die Dramatik nimmt ihren Lauf. Die vielen urkomischen Situationen haben mich zum Schmunzeln verleitet, gleichzeitig beschreiben sie aber auch die volle Tragik einer Krankheitsgeschichte. Unausweichlich stellt sich die Frage was für die eigene Familie zumutbar ist, wo die Realität abhanden kommt und die Krankheit überhand nimmt. Für mich ist dieses Buch vor allem auch ein starkes Plädoyer für die grenzenlose Liebe die sich im starken Zusammenhalt und Respekt zueinander widerspiegelt.

Piper Verlag, 2017

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Karine Lambert Und jetzt lass uns tanzen

Und jetzt lass uns Tanzen

Von Karine Lambert

 "Ein Roman, der zeigt, dass das Herz keine Falten hat und Liebe immer möglich ist." (Klappentext)

Marcel und Marguerite, beide gegen die 80ig, verlieren ihre langjährigen Ehepartner. Nach knapp einem Jahr begegnen sie sich zum ersten Mal in einem Erholungs- bzw. Wellnesszentrum in den Bergen. Marcel weilt dort auf Geheiss seiner Tochter, Marguerite auf Empfehlung ihres Arztes. Überrascht stellen sie fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen können und wagen behutsam, sich noch einmal auf eine Liebe einzulassen.

Eine zärtliche Liebesgeschichte rund um die Themen Alter, Verlust, Neuanfang, Wünsche und Lebenssinn.

Ein wunderbarer, süffig geschriebener Unterhaltungsroman der zum Denken anregt.       

Diana Verlag, 2017

Monika Künzler


 
 
 

 
 
Josten Husch Hier sind Drachen

Hier sind Drachen

Von Josten Husch

Bei dieser Geschichte war ich auf alles gefasst und siehe da, ich wurde gänzlich überrascht!  

Ausgangspunkt der Geschichte ist eine Journalistin, die im November 2015 nach den Anschlägen von Paris am Flughafen Heathrow mit einem fremden Mann ins Gespräch kommt. Ein intensiver Austausch entsteht über existentielle - philosophische Fragen zum Thema Zufall, Schicksal, Selbstbestimmung. Doch plötzlich überstürzen sich die Ereignisse auf dem Flughafen, mehr verrate ich nicht.  

Ein kluges und spannendes Buch mit 160 Seiten, es regt zum Diskutieren an:  

„ Das Erzählen ist das Medium der kollektiven Intelligenz, die beste Waffe gegen Angst, die einzige gegen Schuld“ (Seite 154).   

Berlin Verlag, 2017

Katharina Corchia


 
 
 

 
 
Flurin Jecker Lanz

Lanz

Von Flurin Jecker

Mit diesem kurzen, erfrischenden Roman schloss der junge berner Autor sein Studium am schweizerischen Literaturinstitut ab.

Im Mittelpunkt steht der 14-jährige Lanz, welcher sich wegen einer Mitschülerin ein welche er sich verliebt hat, in die Blog-Projektwoche eingeschrieben hat. Dies obwohl er absolut kein Interesse am Blog-Schreiben hat und den Projekt-Lehrer gar nicht mag. Im Laufe der Woche beginn Lanz dann aber, zu Beginn noch widerwillig, mit der Zeit offener, in seinem Blog aus seinem Leben zu erzählen. In direkter, kraftvoller, jugendlicher Sprache erfahren wir als Lesende auf humorvolle Art und Weise was Lanz bewegt. Seine Wünsche, seine Ängste, seine innere Leere.

Ein eindrückliches und glaubwürdiges Debut!  

Nagel & Kimche, 2017

Monika Künzler


 
 
 

 
 
Annette herzog frühling mit freund Ingrid schubert

Frühling mit Freund

Von Annette Herzog - illustriert von Ingrid & Dieter Schubert

Vorlesegeschichten für Kinder ab 5 Jahren.

Als der Mumpf aus seinem Winterschlaf erwacht, wird er von der Schneeeule, welche geduldig auf diesen Augenblick gewartet hat, begrüsst. Sie ist froh, dass ihr Freund Mumpf endlich ausgeschlafen hat. Doch als Mumpf sich umsieht und den Restschnee sieht, wird ihm bange zumute. Was wenn er zu früh aufgewacht ist und er gleich wieder einschläft, wird die Schneeeule dann noch einmal geduldig auf ihn warten? Doch diese ermutigt ihn zusammen den Frühling zu suchen. Gemeinsam erleben sie ein Abenteuer nach dem andern bis der Frühling wirklich da ist und die Schneeeule ihrerseits sich verabschiedet... zum Flug in den hohen Norden, zu Eis und Schnee.

"Es ist auch schön, wenn man einen Freund hat, auf den man sich freuen kann, nicht wahr?" meinte der Mumpf zur Schneeeule beim Abschied. Und dachte für sich, wie seltsam es ist, gleichzeitig so froh und traurig zu sein.

Eine wunderbare Geschichte zum Thema Freundschaft. In kurzen Kapiteln.

Moritz Verlag, 2017

Monika Künzler


 
 
 

 
 
Meral Kureyshi Elefanten im Garten

Elefanten im Garten

Von Meral Kureyshi

Ich bin begeistert von diesem knapp 140-seitigen Buch. Meral Kureyhsi beschreibt in kurzen Kapiteln die Emigrationsgeschichte ihrer Familie, die in den neunziger Jahren von Kosovo in die Schweiz flüchtete.  

Stellvertretend für viele Familien vermittelt die Autorin ein authentisches Bild, was es heißt, in einer fremden Kultur Anschluss zu suchen: zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen nicht aufzugeben und seinen eigenen Weg zu finden. Die vielen kleinen Anekdoten aus dem Familienleben versetzen der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit, die poetische Sprache macht dieses Buch zu einem Juwel!  

Meral Kureyshi, geboren 1983, hat   am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studiert und gründete das Lyrikatelier in Bern.

Ullstein Verlag, Taschenbuch, 2017

Katharina Corchia


 
 
 

 
 
Castle freeman auf die sanfte tour

Auf die sanfte Tour

Von Castle Freeman

Ich habe mich köstlich amüsiert über diese Sheriff-Provinzgeschichte im abgelegenen Vermont der USA.

Wie im ersten Band ist auch dieses Mal die Geschichte voll von meisterhaft kurzen Dialogen. Sheriff Wing erläutert seine Arbeit seiner Umgebung folgendermaßen: „Die Arbeit eines Sheriffs unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von den anderen Polizisten – ich werde das noch näher erläutern –, nur in einem Punkt nicht: Die Leute wollen, dass man seinen Job macht und dass man ihn nicht macht. Sie wollen, dass man seinen Job macht, aber nicht bei ihnen“. (S. 11)

Sheriff Wing hat also wieder einmal ein Problem. Der „Rabauke“ der Region stiehlt aus einer abgelegenen Villa ominöser Russen einen Safe. Mit viel Geduld und Taktgefühl will er diesen Fall lösen, ganz im Gegenteil zu seinem übereifrigen Deputy Keen!

Beste Unterhaltung, schräg, witzig, filmreif!

Nagel & Kimche Verlag, 2017

Katharina Corchia  

 
 
 

 
 
katharina grossmann-hensel mama ist ein superheld

Meine Mama ist ein Superheld

Von Katharina Grossmann-Hensel

Eine Geschichte die Kinder zum Lachen und Erwachsene zum Schmunzeln bringt.

"Meine Mama kann nämlich sehr viele Sachen", sagt Marta. "Ach ja? Was denn?", fragt Paul.

Und so fängt alles an... Ein wahrer Wettstreit entbrennt, wobei die Mütter immer toller und die Kinder immer lauter werden. Ob sie ganz bei der Wahrheit bleiben oder doch manchmal eine ordentliche Portion Fantasie mit im Spiel ist?

Ein wunderbares Bilderbuch. Schade nur, dass die Autorin bei der Beschreibung der Superheldinnen immer die männliche Form verwendet hat.

Von 4- bis 99-Jährige

Annette Betz Verlag, 2017

Monika Künzler  

 
 
 

 
 
Charlotte Lucas Dein perfektes Jahr

Dein perfektes Jahr

Von Charlotte Lucas

Ein wunderbarer Unterhaltungsroman zum Ein- und Abtauchen... dies gute 400 Seiten lang...

Ein Mann, eine Frau und ein geheimnisvoller Terminkalender. Und drei völlig unterschiedliche Personen, welche mit den Fragen über den Sinn oder Unsinn des Lebens konfrontiert werden. Worum geht es? Was ist wichtig? Wo komme ich her, wo will ich hin? Will ich überhaupt irgendwo hin?

Humor- und liebevoll geschrieben. Immer wieder nahe an der Grenze zum Kitsch.

Entweder das Buch gefällt, oder aber gar nicht... ein zwischendrin gibt es wohl kaum. Darum: ausprobieren!

Bastei Lübbe Verlag, 2016

Monika Künzler  

 
 
 

 
 
Marie Lu Young Elites Die Gemeinschaft der Dolche

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche

Von Marie Lu

Der erste Teil der Young Elites - Triologie

In Kenettra wütete das Blutfieber. Adelina und ihre Schwester überlebten die Krankheit. Nur, dass Adelina wegen dem Blutfieber ihr linkes Auge verlor und ihr Haar sich  silbern färbte. Sie war gezeichnet von der Krankheit, war ein sogenannter Malfetto und nicht nur das, durch das Blutfieber wurde Adelina eine aussergewöhnliche Fähigkeit verliehen. Damit ist sie aber nicht die Einzige, die Gemeinschaft der Dolche hat ebenfalls solche Fähigkeiten und wird deshalb vom König gejagt. Denn sie sind in der Lage ihn vom Thron zu stossen.

Jahrelang wurde Adelina deshalb von ihrem Vater misshandelt, denn Malfettos waren eine Schande für die Familie. Als eines Abends ein reicher Mann Adelinas Vater anbot, sie ihm abzukaufen, floh Adelina kurz entschlossen. Doch auf ihrer Flucht wird sie von Soldaten gefangengenommen und wenige Wochen später zur Hinrichtung geführt. Dort kommt ihr die Gemeinschaft der Dolche zur Hilfe und rettet sie. Sie bekommt das Angebot der Gemeinschaft beizutreten, zuerst muss sie aber ein paar Prüfungen bestehen und lernen ihre Fähigkeit zu kontrollieren. Als dann ein Soldat des Königs sie aufspürt und erpresst, wird sie unfreiwillig zur Spionin, ansonsten wird ihre Schwester getötet.

Die Geschichte von Adelina wird ausgezeichnet erzählt. Zum Teil auch aus der Sicht von anderen Figuren aus dem Buch. Es ist sehr interessant, mit viel Spannung und einer unberechenbaren Hauptperson, die einen Hang zum Bösen hat. Mit einem hervorragenden Schluss mit viel Action und der einen oder anderen Überraschung. 

Ab 14 Jahren. 

Loewe Verlag, 2017

Rebecca (Schnupperstiftin) 

 
 
 

 
 
carolina de robertis die tangospielerin

Die Tangospielerin

Von Carolina De Robertis

“Ihr könnt ruhig über uns lachen, aber wir sind nicht bei euch, wo ihr uns verspottet. Nein - wir sind hier oben in einer völlig anderen Welt, die wir Bühne nennen.”   Seite 307 und 308  

Als Leda in Argentinien ankommt sucht sie nach ihrem Mann Dante. Doch sie muss erfahren, dass er tot ist. Nachdem sie der Wohngemeinschaft, bei der Dante gewohnt hat, beigetreten ist und dort Näherin wird, entdeckt sie den Tango. Es ist eine Musik, die ausschliesslich Männern erlaubt ist zu spielen. Als Mann verkleidet und mit dem Namen Dante schliesst sie sich einer Tangogruppe an. Da begegnet sie ihrer grossen Liebe.     

Das Buch hat mir gefallen, weil es sehr schön geschrieben ist. Dante/ Leda ist eine spannende Frau mit starkem Charakter, die sich durchsetzt und ihren Traum lebt. 

Krüger Verlag, 2016

Simona (Schnupperstiftin) 

 
 
 

 
 

Bilderbücher für kalte Wintertage

Ein Apfel für alle Feridun Oral
Feridun Oral An einem kalten Wintermorgen

Feridun Oral  

An einem kalten Wintermorgen Mineedition 2016

Ein Apfel für alle             Mineedition Neuauflage 2016   

Der türkische Künstler Feridun Oral hat ein sichtlich gutes Gespür für die leisen Töne! Beide Bilderbücher erzählen von Freundschaften und Herausforderungen unter den Tieren. Die faszinierenden und poetischen Illustrationen unterstreichen die Geschichten und eignen sich hervorragend für die kalten Wintertage. Gut geeignet ab 4 Jahren.

Katharina Corchia


 
 
 

 
 
Maxence Fermine Schnee

Schnee

von Maxence Fermine

Die Geschichte von „Neige“ (Originalausgabe 1999) erzähle ich hier nicht, denn sie ist schnell gelesen und bildet auch nur ein Gerüst für das Dazwischenliegende. „Schnee“ vom französischen Autor Maxence Fermine ist insbesondere auch ein   

  • besinnliches Märchen, weil es auf zauberhafte Zufälle baut  
  • ein lakonisches Gedicht, weil es sich rhythmisch in deine eigenen Gedanken webt  
  • eine fast durchsichtige Zeichnung, weil sich die sanften Striche wie Spuren im Schnee auflösen
  • eine eindringliche Weisheit, weil sie auffordert, sich selbst leben zu sehen

Erstmals erschien dieses Buch 2001 in deutscher Übersetzung im Goldmann Verlag. Die Neuauflage des Unionsverlag ist so sorgfältig und schön gestaltet, dass dieses Werk nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch ein perfektes Weihnachtsgeschenk abgibt.

Unionsverlag, 2016

Jeannette Büsser 

 
 
 

 
 
J. L. Carr Ein Monat auf dem Land

Ein Monat auf dem Land

von J. L. Carr

Ein moderner Klassiker der englischen Literatur; leicht und elegant; 1980 erschienen und nun erstmals ins Deutsche übersetzt.

Die Geschichte spielt im Sommer 1920 in einem nordenglischen Dorf. Ein junger Londoner Restaurator, Tom Birkin, soll in der Ortskirche ein mittelalterliches Wandgemälde freilegen. Gleichzeitig hofft er, in der Ruhe und Einfachheit des Landlebens sich von seinen traumatischen Kriegsbildern aus dem ersten Weltkrieg und seiner gescheiterten Ehe verabschieden zu können.

Langsam öffnet sich Tom im Laufe dieses Sommermonates auf dem Lande wieder der Welt um sich herum. Schicht um Schicht kommt nicht nur ein unerwartetes Meisterwerk von einem Fresko in der Dorfkirche zum Vorschein, sondern auch ein junger Mann mit Freude am Leben und an seinen Mitmenschen.

Ein Buch über die Verletzungen die das Leben zufügen kann und die Möglichkeiten diese zu überwinden. Und gleichzeitig eine zarte Liebesgeschichte.    

Dumont Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Sacha Batthyany Und was hat das mit mir zu tun

Und was hat das mit mir zu tun?

von Sacha Batthyany

Und was hat das mit mir zu tun?

Eine existentielle Frage im Leben von Sacha Batthyany. Während sieben Jahren recherchierte er aus diversen Familien-Quellen und bereiste Ungarn, Österreich, Sibirien, Buenos Aires. Er entdeckte grausame Verstrickungen seiner Grosstante, traumatische Erfahrungen seiner Grossmutter und seines Grossvaters, eine grosse Handlungsunfähigkeit und Verschwiegenheit der Verwandtschaft.    

Er stellt sich immer wieder die Frage, wie kann man sich befreien vom „Ballast“ der Generationen? Wie prägen uns diese Lebensgeschichten?

Sacha Batthyany kämpft um das Vergessen und will verstehen. Aufgewachsen ist er am Rand von Zürich und merkt schon früh: „ Da war immer etwas, das fehlte" (S. 29). Eindringliche Passagen zeugen von einer intensiven Vater-Sohn Beziehung und von seiner eigenen Psyche. Es ist ein sehr persönliches Buch und zugleich ein historisches Panorama jener Zeit, ein Buch stellvertretend für viele andere Lebensgeschichten, extrem spannend und gekonnt literarisch umgesetzt.

Nach dieser Lektüre war ich erschüttert und gleichzeitig fasziniert über den Mut und die Entschlossenheit des Autors seinen Familiengeheimnissen auf den Grund zu gehen! Das Buch verdient allergrössten Respekt!    

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Nele Neuhaus Im Wald

Im Wald

von Nele Neuhaus

Der Kriminalroman beginnt am 31. August 1972: „Er wird irgendjemandem das erzählen, was er mir erzählt hat, vielleicht sogar der Polizei, die noch überall nach dem Russenkind sucht und jeden im Dorf ausfragt.“ „Ich wollte das nicht tun. Aber ich musste. Er hat uns keine Wahl gelassen.“ 

Wem gehören diese Gedanken?   

Jahre später – am 7. Oktober 2014 – geht Mitten in der Nacht auf dem Campingplatz am Waldrand von Ruppertshain ein Wohnwagen in Flammen auf.  Was zuerst nach Brandstiftung aussieht, entpuppt sich bald als Mord. Wer war die Leiche? Die Besitzerin des Wohnwagens liegt schwer krank in einem Altersheim und bevor Oliver von Bodenstein sie befragen kann, wird sie ermordet. Bodenstein ist leitender Kriminalhauptkommissar vom K11. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die aktuellen Morde mit einem ungelösten Fall aus dem Jahr 1972 zusammenhängen könnten. Damals, vor 42 Jahren, verschwand Olivers bester Freund – der 10-jährige Artur – spurlos. Wegen Oliver von Bodensteins Befangenheit, wird die Leitung der Ermittlungen Pia Sanders übertragen. 

Was hat der Fuchs auf dem Baumstamm des Buchcovers mit der Geschichte „Im Wald“ zu tun? Wo liegt der Schlüssel zu den aktuellen Morden und kann die Vergangenheit geklärt werden? 

Das Team vom K11 ermittelt und schnell wird klar, dass die Mission des Täters nicht beendet ist. Gefahr lauert an allen Ecken! Wird es noch mehr Tote geben? Es bestehen viele Verdächtige, die meisten waren oder sind mit Oliver von Bodenstein befreundet. Die Nähe zu diesen Personen macht ihm sehr zu schaffen!   

Als Leser war ich von Anfang an mitten drin. Es entwickeln sich Sympathien und Antipathien. Mir gefällt der Aufbau und die anhaltende Spannung, die zum Teil kurzen Abschnitte zwischen den einzelnen Handlungssträngen und die Art und Weise, wie an dem Fall gearbeitet wird. Die involvierten Personen sind von Nele Neuhaus alle sehr gut und menschlich beschrieben. Die Handlungen sind nachvollziehbar und die Autorin schafft es, die Spannung bis zum Schluss hoch zu halten. 

556 Seiten Spannung und pure Lesensfreude!     

Ullstein-Verlag, 2016

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
J. Ryan Stradal Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens

Die Geheimnisse der Küche des mittleren Westens

von J. Ryan Stradal

Nebst dem Titel weisen auch die Kapitelüberschriften (Lutefisk, Chocolate Habanero, Paprikamarmelade, Zander, Golden Bantam, Wild, Riegel, Das Dinner) darauf hin, dass der rote Faden in diesem Roman das Zubereiten von Speisen ist. Gleichzeitig ist es es aber auch eine Familien-, Liebes- und Lebensgeschichte.

Im Mittelpunkt steht die junge Eva Thorwald mit ihrem ausgeprägten Geschmackssinnn und ihrer Leidenschaft für ausgeklügelte Rezepte. Als Lesende begleiten wir Eva ab deren Geburt. Der Autor verwebt dabei Evas Geschichte mit den Geschichten der Personen welche Eva in ihren unterschiedlichen Lebensetappen begegnet. Dadurch entsteht mit der Zeit ein ganzer Personen- bzw. Geschichten-Teppich.

"Ein Roman über die Familie die man verliert, die Freunde, die man findet und Zufallsbekanntschaften, die über ein ganzes Leben bestimmen." (Klappentext)

Gute Unterhaltung... für den Bauch, das Herz und den Kopf!

Diogenes Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Gregoire Delacourt Die vier Jahreszeiten des Sommers

Die vier Jahreszeiten des Sommers

von Grégoire Delacourt

Feinfühlig, ehrlich und mitreissend beschreibt der französische Autor vier unterschiedliche Liebespaare unterschiedlichen Alters. Gekonnt verknüpft er die Lebensgeschichten, indem er die Haupthandlung aller vier Paare an demselben Wochenende, dem Nationalfeiertag, an demselben Ferienort an der Nordküste Frankreichs ansetzt.

Zwei Teenager im ersten Verliebtsein treffen auf eine 35-Jährige im Lösungsprozess von einer vergangenen Liebe, auf eine 55-Jährige im Übergang von der Mutterrolle zur reifen Frau, auf ein altes Ehepaar welches sich immer noch sehr in Liebe verbunden fühlt. 

"Es ist immer die gleiche Geschichte, in Kriegs- wie in Friedenszeiten, Sommers wie Winters, alles dreht sich um das übergrosse Bedürfnis nicht allein zu sein. Den Wunsch, geliebt zu werden." (S. 157)

Ein kleines Juwel über die Liebe in all ihren Facetten. 

Atlantik Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Jodi Picoult Die Spuren meiner Mutter

Die Spuren meiner Mutter

von Jodi Picoult

Dies ist ein faszinierendes Buch, das viel zu schnell gelesen war!

Jenna, 13 Jahre alt, sucht ihre Mutter Alice, die vor Jahren nach einem tragischen Unfall im Elefantenreservat von New Hampshire spurlos verschwand. Jenna versucht mit Hilfe von Privatdetektiv Virgil und der Wahrsagerin Serenity das Geheimnis zu lüften. Durch die verschiedenen Erzähl- und Zeit-Perspektiven von Alice, Jenna, Virgil und Serentity tauchen wir ab in eine komplexe Familiengeschichte.  

Dieser Roman ist aber vor allem ein Genuss für alle Elefanten-Fans. Er zeigt uns das Verhältnis zwischen Elefanten und Mensch, Leben und Tod, sei es in der Wildnis oder in der Gefangenschaft!

Jodi Picoult verfügt wie immer über tiefgründige Menschenkenntnisse und hat das Thema Elefanten hervorragend recherchiert: Ein extremer Pageturner mit einem überraschenden Ende!

C. Bertelsmann Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Catharina Junk Auf Null

Auf Null

von Catharina Junk

Ein ernstes und gleichzeitig humorvolles Buch.

Es ist die Geschichte der 20-jährigen Nina. Gesund - aber nicht geheilt, lautet ihre Diagnose nach mehrmonatiger stationärer Chemotherapie. Der Roman beginnt mit dem Tag an welchem Nina aus dem Spital entlassen wird. In abwechselnden Kapiteln lässt uns Nina einerseits teilhaben an ihren Gedanken und Erfahrungen im Spital, anderseits an ihrem langsamen Herantasten ans Leben nach ihrer Rückkehr zu ihren Eltern, sowie auch an ihrem Wiedererlangen an Vertrauen in ihren eigenen Körper und an das Erwachen erneuter Lebensfreude.

Ein berührender und gleichzeitig kraftvoller Roman. Lebendig, mit Feingefühl und Witz geschrieben.

Kindler Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Elizabeth Stout Die Unvollkommenheit der Liebe

Die Unvollkommenheit der Liebe

von Elizabeth Strout

Es ist eine einfache Geschichte.

Lucy Barton ist wegen einer Infektion für längere Zeit in einem New-Yorker Spital. Ganz unerwartet kommt ihre Mutter auf Besuch, die Lucy jahrelang nicht mehr gesehen hat. Durch diese Begegnung kommen all ihre verdrängten Kindheits- und Jugenderinnerungen wieder hoch. Sie hat Zeit und reflektiert über ihr vergangenes Leben nach und zugleich kommen sich Mutter und Tochter wieder näher.    

Die knapp 200 Seiten lesen sich fast wie von selbst. Es ist ein Buch, das uns motiviert, über die eigene Beziehung zur Familie nachzudenken. Kein Wort ist zu viel. Die direkte und knappe Sprache hat mich als Leserin mitten ins Herz getroffen, herzerwärmend und authentisch!

Luchterhand Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Emma Cline The Girls

The Girls

von Emma Cline

Ein psychologisch tiefgründiger Roman über die menschlichen Ur-Themen Gesehenwerden, Geliebtwerden und Dazugehören.

Eine erwachsene Frau reflektiert die Ereignisse eines Sommers, als sie 14 Jahre alt war. Als sie sich aus Einsamkeit einer Hippiekommune anschloss und bereit war, bis fast zum Äussersten zu gehen um von der Gruppe wahrgenommen zu werden und Teil von dieser zu sein.

Eindrücklich beschreibt die 27-jährige Autorin mögliche Mechanismen die bis an den Rand eines mörderischen Kultes führen können.

Eine spannende, sinnliche und gleichzeitig verstörende Geschichte, welche Cline in den 70er Jahren in ihrer Heimat Kalifornien ansiedelt. 

Hanser Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Dorit Rabinyan Wir sehen uns am Meer

Wir sehen uns am Meer

von Dorit Rabinyan

„Wir sehen uns am Meer“ ist eine intensive Liebesgeschichte, die mich sehr betroffen machte.  

Die junge israelische Studentin und der palästinensische Künstler Chilmi lernen sich in New York kennen und verlieben sich. Es ist eine Liebe auf Zeit, einen anderen Ausweg sieht Liat nicht, da sie bald wieder zurück zu ihrer Verwandtschaft muss, die diese Beziehung niemals tolerieren würde!

Vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts erzählt Dorit Rabinyan einfühlsam und ohne Kitsch von der grossen Liebe. Sie ist gezeichnet von Ängsten, Vorurteilen, von zwei Sprachen und von zwei Welten die aufeinander prallen. Kann diese Liebe weiter bestehen nachdem beide zurück in ihre Stadt gehen? Tel Aviv, die Stadt am Meer und Ramallah in Westjordanland, eine Liebe, die durch eine Mauer getrennt ist .  

Ein starkes und spannendes Buch, das ich sehr empfehlen kann. Auch für Diskussionen und Lesegruppen geeignet.

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Michael Theurillat Wetterschmöcker

Wetterschmöcker

von Michael Theurillat

Welche Eigenarten sind es, die uns den Zürcher Kommissar Eschenbach so sympathisch machen? Seine Bodenständigkeit, Menschenliebe oder sein unbeirrbarer Widerstand, welchen Eschenbach gegen einige der irrwitzigen Auswüchse unserer gegenwärtigen Gesellschaft leistet?

Clara Thüring, designierte CEO eines mächtigen Rohstoffkonzerns, erliegt im Spital Balgrist einem Herzversagen. Kommissar Eschenbach lässt der plötzliche Tod der Frau aus dem Muothatal, der Nichte eines Wetterschmöckers, keine Ruhe. Er beginnt zu ermitteln, trifft auf eine faszinierende Psychotherapeutin und gerät selbst in Gefahr.

Der fünfte Roman von Theurillat überzeugt auf allen Ebenen. Der Wetterschmöcker bietet spannungsreiche Unterhaltung, vielschichtige Charaktere, feinen Humor, spannende Themenbereiche wie Resilienz oder Psychopathie und liest sich leicht und elegant. Die Welt des Kommissars ist bevölkert von liebenswerten und vertrauten Figuren, welchen frau und man als Lesende immer wieder gern begegnet. Ein Buch, so richtig zum Abtauchen!

Ich freue mich bereits auf Theurillats nächsten Kriminalroman.

Ullstein Verlag, 2016

Yvonne Leu

 
 
 

 
 
Hier können Sie im Kreis gehen Frédéric Frederic Zwicker

Hier können Sie im Kreis gehen

von Frédéric Zwicker

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich dieses knapp 160-seitige Buch in einem Zug gelesen.

Die Hauptperson, der 91-jährige Johannes Kehr, hat’s in sich! Er geht freiwillig ins Pflegeheim und täuscht eine Demenz vor! Sein ganz persönliches Abenteuer. Allerdings wird es mit der Zeit ein anstrengendes Unterfangen. In den kurzen Kapiteln kommentiert und beschreibt er auf’s Genauste die Bewohner des Pflegeheims und reflektiert über seine vergangenen Jahre.  

Inspiriert durch seine eigene Erfahrung als Zivildienstler in einem Heim für Demenzkranke, schafft es der junge Rapperswiler Autor eine Figur zu schaffen, die mich vollends überzeugt. Er ermöglicht dem Leser einen Einblick in den traurigen und zugleich irrwitzigen Alltag mit einer gesunden Prise Schalk und voller Lebensphilosophie.

Eine literarische Perle unter den Schweizer Neuerscheinungen dieses Jahres.

Nagel & Kimche Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Bienen Piotr Socha

Bienen

von Piotr Socha

Ein umfassendes Bilderbuch zum Thema Bienen für Gross und Klein.

Wunderbar witzig erzählt der polnische Autor die Geschichte vom Menschen und der Honigbiene. Mit vielen fröhlich bunten Bildtafeln und erstaunlichen Informationen.

Für Bienenfreunde und Leute die ohne grossen Aufwand etwas mehr über dieses Insekt erfahren möchten.

Ab 5 Jahren. 

Gerstenberg Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Der Hund der zu träumen wagte Sun-Mi Hwang

Der Hund, der zu träumen wagte

von Sun-Mi Hwang

Eine berührende, fein illustrierte Fabel.

Die koreanische Schriftstellerin stellt die temperamentvolle und eigenwillige Hündin Zotti in den Mittelpunkt und beschreibt liebe- und humorvoll deren Beziehung zu ihrem Halter, einem alten Mann, aber auch zu Nachbars Katze, zur "Hundegäng" des Quartiers, zu einem Huhn etc.

Über Liebe und Verlust, über Vertrauen und Enttäuschung geht es in dieser kurzen Geschichte. Und darüber, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier wohl kleiner ist als man gerne denkt.

Ein bezauberndes und gleichzeitig trauriges Buch welches zum Nachdenken anregt. 

Kein & Aber Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Deniz Selek Die Frauen vom Meer

Die Frauen vom Meer

von Deniz Selek

Wer möchte für eine kurze Zeit in den Orient abtauchen, alle Sinneseindrücke lesend spüren?

Aus wechselnder Erzählperspektive von vier Frauen wird uns eine türkisch-rumänisch-deutsche Familiengeschichte näher gebracht in einer Zeitspanne von ca. 80 Jahren. Seza, Ferah, Elisabeth und Ilayda ringen um ihre Identität, um Anerkennung, sie suchen nach der Bestimmung ihres Lebens im Strudel der Geschichte.

Deniz Selek hat selber türkische Wurzeln und verbrachte ihre Kindheit in Istanbul, eine Stadt, die zwei Kulturen (Ost und West) und zwei Meere verbindet. Es ist ihre ganz persönliche Familiengeschichte gefärbt mit ihrer wunderbaren poetischen Sprache: „ Das Meer hatte sie gerufen, das Meer hatte sie zusammengeführt, und das Meer hatte ihnen gezeigt, dass es die ewige Verbindung zwischen ihnen sein würde.“ (S.353)

Droemer Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Margriet de Moor Schlaflose Nacht

Schlaflose Nacht

von Margriet de Moor

In knappen, einfachen Sätzen und mit leisem Humor erzählt die Autorin in dieser Novelle ohne zu werten einen Ausschnitt aus dem Leben der Ich-Erzählerin.

Es ist eine Geschichte innigen Verliebens und anschliessender kurzer Ehe, welche abrupt endet.

Warum hat sich ihr Mann das Leben genommen? Diese Frage lässt die zurückgebliebene Frau jahrelang nicht los. Bis zu jenem eiskalten Tag und jener schlaflosen Nacht mit welcher das Buch beginnt und endet... mit der Möglichkeit eines Neubeginns...

Ich mag die Bücher der niederländischen Autorin sehr. So wie mir früher jene der kanadischen Autorin Margaret Atwood sehr gefallen haben.

Hanser Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Jonas Karlsson das Zimmer

Das Zimmer

von Jonas Karlsson

Björn wird wegbefördert und wir begleiten ihn aus der Ich-Perspektive in seinem neuen Arbeitsumfeld. Sein Arbeitsort: ein Grossraumbüro einer schwedischen Behörde.  

„Bei meiner früheren Arbeitsstelle war ich es gewohnt gewesen, zu den führenden Köpfen gezählt zu werden. Nicht in leitender Position oder auch nur als Vorgesetzter, sondern als jemand, der andere gelegentlich in die Schranken wies.“ (Seite 8)    

Ist Björn ein Alltagsnarzisst? Er ist sicher ein unangenehmer Zeitgenosse und sein Umfeld hält er mit seiner Art auf Distanz. Er schafft sich Strukturen, die er penibel lebt und geht zwischenmenschlichen Kontakten aus dem Weg. Rein zufällig entdeckt er ein ungenutztes Zimmer, welches für ihn zur zentralen Ressource wird. Darin herrscht Ordnung und es inspiriert ihn zu kreativen Lösungen. Spannend wird es, als er beginnt von diesem Zimmer zu erzählen und sein Umfeld behauptet, dass es dort gar kein Zimmer gibt! Björn wird für verrückt gehalten und gerät immer mehr unter Druck.    

Wahn oder Wirklichkeit? Plötzlich sehen wir uns mit Fragen aus dem Berufsalltag konfrontiert. Mobbing? Neid? Ein Psychokrieg der Abteilung gegen ihn? Gibt es dieses Zimmer wirklich? Schafft es Björn mit all dem Druck umzugehen? Wie geht es weiter und wie endet der Roman?  

"Das Zimmer" ist ein grossartiger Roman! Eine Auseinandersetzung mit dessen Inhalt lohnt sich.    

Luchterhand Verlag, 2016

Eduard Hirschi

 
 
 

 
 
Marianne Dubuc Briefträger Maus

Briefträger Maus

von Marianne Dubuc

Hier geht tierisch die Post ab!

Briefträger Maus bringt all den unterschiedlichsten Tieren die Post. Die wunderbar kindsgerechten Illustrationen laden uns ein, in die verschiedenen Tierwelten mit all ihren Kuriositäten ein- und abzutauchen.

Das Bilderbuch lebt von vielen kleinen Details, das uns zu Such- und Beobachtungsspiele anregt, welch ein Vergnügen!

Ab 3 Jahren.   

Beltz & Gelberg Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Weil wir Flügel haben Vanessa Diffenbaugh

Weil wir Flügel haben

von Vanessa Diffenbaugh

Fesselnd Unterhaltung!

Obwohl von Anfang an ziemlich klar ist dass am Ende alles gut wird, habe ich wie bei einem guten Hollywoodfilm mit den Romanfiguren dem Happy-End entgegen gefiebert.

"Kann Letty ihre Ängste überwinden und ihre zweite Chance im Leben nutzen?" steht auf dem Buchumschlag. Letty, 33-jährig, alleinerziehende Mutter zweier Kinder von unterschiedlichen Vätern, wird immer wieder mit ihrer Rolle als Mutter und zugleich als mexikanische Einwanderin in die USA konfrontiert.

Bewegend und ehrlich, zuweilen wohltuend nah am "Kitsch", erzählt die Autorin von Familienbanden, von Entscheidungen die im Leben zu treffen sind, von Fehlern die gemacht werden und von Menschen denen vertraut werden kann.

"Das Herz kann sich irren, aber es hört nie auf zu lieben. Für wen würden Sie alles aufgeben?" Diese Frage wird uns Lesenden am Ende der Geschichte auf dem Umschlagblatt gestellt... und nach der Lektüre dieses Buches kommen wir wohl kaum darum herum, kurz innezuhalten und uns über diesen Satz Gedanken zu machen.   

Limes Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Eltern richtig erziehen katharina Gross

Eltern richtig erziehen

von Katharina Grossmann-Hensel

Wer erzieht eigentlich wen? In diesem Bilderbuch wird dieses Thema mit viel Ironie auf den Punkt gebracht!  

Die kleine Heldin dieses Bilderbuches macht ein Rollenspiel mit ihren Eltern. Sie meint dazu: „Erziehung ist, wenn man den anderen so lange zieht, bis er zu einem passt!“ Das probiert sie mit ihren Eltern aus, sie erteilt ihnen Benimm-Regeln, sie bestimmt und entscheidet und führt uns Erwachsene einen Spiegel vor Augen! Schlussendlich kommt es aber ganz anders als sie es möchte und sie stellt fest: „Es braucht etwas anderes als Regeln, damit man sich traut, das zu sein was man ist. Vielleicht heisst es Liebe.“  

Herrlich schräg und doch so nah am Familienalltag! Die vielen Illustrationen haben eine starke Aussagekraft, der Text dazu ist knapp und klar.

Für Klein (ab 4 J.) und Gross.    

Annette Betz Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
mireilli zindel kreuzfahrt

Kreuzfahrt

von Mireille Zindel

Für einmal finde ich den Klappentext eines Buches so zutreffend, dass es sich für mich erübrigt meine Leseerfahrungen in eigene Worte zu fassen.

"Ein Sommer in Ligurien, Meret und Jan begegnen sich zum ersten Mal, beide sind verheiratet und haben kleine Kinder, beide haben ihre Familie am Strand zurückgelassen, um alleine zu sein, da tun sich plötzlich neue Möglichkeiten auf."

"Ein scharfsinniges, raffiniertes Kaleidoskop über alle Facetten des Liebens, das durch seine sprachliche Finesse und sein unvergessliches Einfühlungsvermögen besticht."

Ich habe diesen neuen Roman der Zürcher Autorin in einem Zug gelesen. Ein dichtes und berührendes Buch. Vom Stil her hat es mich an die Romane von Margriet de Moor erinnert, eine holländische Autorin welche ich ebenfalls sehr mag.   

Kein & Aber Verlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Lars mytting die birken wissen's doch

Die Birken wissen's doch

von Lars Mytting

„Für mich war Mutter ein Duft!“ Dieser erste Satz hat mich gleich verzaubert! Ich bin in eine norwegische Familiengeschichte abgetaucht und konnte das Holz und die Natur förmlich riechen und spüren!  

Der Erzähler Edvard wächst bei seinem Grossvater Sverre auf, ein kauziger aber liebevoller Kartoffel-Bauer. Sie leben auf einem entlegenen Hof in Gubrandsdalen. Als Sverre stirbt, beschliesst der 23-jährige Edvard, das dunkle Familiengeheimnis seiner Eltern zu lüften. Seine Recherchen reichen von den Shetlandinseln bis nach Frankreich hin, wo seine Eltern vor 20 Jahren auf mysteriöse Weise umgekommen sind.

Es ist eine verwickelte Familiengeschichte, die rückblickend bis zum 1. Weltkrieg erzählt wird. Eine aussergewöhnliche aber zentrale Rolle spielen die Bäume, der sog. Flammbirkenwald hinter dem norwegischen Hof und die Walnussbäume im Norden Frankreichs. Mehr verrate ich nicht, denn die Zusammenhänge lösen sich von alleine beim Lesen!  

Und übrigens..... Der norwegische Autor Lars Mytting ist selber ein passionierter Holzfäller! Er hat eine Kulturgeschichte zum Thema Holz herausgegeben mit dem Titel: Der Mann, das Werk, vom Fällen, Hacken und Feuermachen, Insel Verlag 2015. Ein „Muss“ für alle Holzliebhaber!   

Insel Verlag, 2016

Katharina Corchia 

 
 
 

 
 
die welt wär besser ohne dich sarah darer littman

Die Welt wär besser ohne Dich

von Sarah Darer Littman

Lara war früher mal dick und wurde deshalb gemobbt. Doch jetzt hat sie abgenommen und fühlt sich wieder gut. Sie wurde sogar ins Cheerleader-Team aufgenommen. Als dann auch noch der hübsche Christian mit ihr auf Facebook chattet, ist alles perfekt. Sie ist total verliebt und will ihn endlich treffen. Doch dann schreibt er plötzlich fiese Kommentare und andere schliessen sich ihm an. Lara hält es nicht mehr aus und versucht sich umzubringen. Danach wird sie unter Beobachtung gestellt und muss in die Psychotherapie. Während die Polizei gegen Christian ermittelt, finden sie heraus, dass er gar nicht existiert.

In dem Buch geht es um Cybermobbing und seine Folgen. Es ist ein ziemlich ehrliches Buch und nichts wird verschönert. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Aus der Sicht von Lara, Bree, Sydney und Liam. Man kann sich in jede dieser Personen gut hineinversetzen, weil es immer in der Ich-Perspektive erzählt wird. 

ab 14 Jahren   

Ravensburger Verlag, 2016

Rebecca Schuler (Schnupperschülerin)

 
 
 

 
 
Otto findet was

Otto findet was

von Fred Paronuzzi / Andrée Pringent (Illust.)

Ein eigenartiges Ei stösst eines Morgens gegen eine Mistkugel von Otto, dem Mistkäfer. Er reist um die halbe Welt um das Ei den passenden Eltern zurückzubringen. Aber weder der Strauss, noch Herr Kuckuck, der Spezialist für fremde Eier, können dem Mistkäfer weiterhelfen. Die schlaue Schlange erinnert sich jedoch, ein solches Ei schon mal aus Versehen verschluckt zu haben, ein absolut unverdauliches Ei! Sie gibt ihm einen Tipp. Was der Mistkäfer danach entdeckt, bringt ihn zum Schluss, dieses Ei auf jeden Fall zu behalten!  

Ein pointenreiches Bilderbuch von einem kleinen Käfer mit grossem Herz.

ab 4 Jahren   

Nord-Süd Verlag, 2016

Katharina Corchia 

 
 
 

 
 
estelle laure gegen das glück hat das Schicksal keine chance

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance

von Estelle Laure

Lucille und Wren werden von ihrer Mutter allein gelassen. Um ihre kleine Schwester nicht zu verlieren versucht Lucille das Verschwinden ihrer Mutter geheim zu halten. In der Not sucht sie sich einen Job um Geld zu verdienen. Zu allem Überfluss verliebt sich Lucille in den Bruder ihrer besten Freundin. Doch sie bekommen Hilfe von einem Unbekannten.

Obwohl es in dem Buch ein paar dramatische Stellen hat, ist es ein tolles Buch für zwischendurch und leicht zu lesen. Eins das auch ein bisschen zum Nachdenken anregt. Weil es in der Ich-Perspektive erzählt wird, kann man sich gut in die Hauptperson hineinversetzen.

Am Ende bleibt noch ziemlich viel offen und man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.  

Ein Jugendbuch.  

Fischer Kinder und Jugendbuch Verlag, 2016

Rebecca Schuler (Schnupperschülerin)

 
 
 

 
 
benedict wells vom ende der einsamkeit

Vom Ende der Einsamkeit

von Benedict Wells

Dieses Buch hat mich verzaubert! Wichtige Lebensthemen werden hier spannend, bildreich und sensibel beschrieben.  

Die Geschichte wird aus der Sicht von Jules, dem jüngsten Kind von drei Geschwistern, erzählt. Viel zu früh verlieren die Geschwister die Eltern durch einen Autounfall. Wir Leser begleiten Jules durch die Tiefen und Höhen seiner Entwicklung, vom Kind bis zum Erwachsenen: die Trauerbewältigung, seine Suche nach der Liebe, seine Beziehung zu seinen Geschwistern.  

Benedict Wells (geb. 1984!) versteht es meisterhaft, in junge Menschen hineinzufühlen, ihre Gefühlswelt aufs Innigste zu beschreiben und darzustellen, was es heisst, mit Verlust und Einsamkeit umzugehen. Ein wunderbarer Roman, der uns an die Stärke und Hoffnung jedes Menschen erinnert, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.    

Diogenes Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Frauje tuttlies Herr Grundmann sagt franziska

Herr Grundmann sagt Franziska

von Frauke Tuttlies

Eine Novelle. Eine zarte Liebesgeschichte, mit filigranen schwarz-weiss Zeichnungen illustriert.

Herr Grundmanns seit Jahren eingerichtetes Leben gerät durcheinander, als in die Wohnung über ihm die Klavierlehrerin Franziska einzieht.

Herr Grundmann lässt uns Lesende daran teilnehmen, wie seine anfänglichen Gefühle von störend und lästig sich langsam in Neugier und dann sogar in Liebe wandeln... bis er am Schluss des Büchleins mit einem bunten Blumenstrauss vor ihrer Wohnung steht und einfach "Franziska" sagt.

Ermunternd, wohltuend, kurz.   

Transit Buchverlag, 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
pierre jarawan am ende bleiben die zedern

Am Ende bleiben die Zedern

von Pierre Jarawan

Aus der Sicht von Samir tauchen wir in seine Familien-Flüchtlingsgeschichte ein. Wir erfahren, was es heisst, als libanesische Flüchtlingsfamilie in Deutschland zwischen zwei Welten zu leben. Als der Vater, ein überaus geliebter Geschichtenerzähler, spurlos verschwindet, gibt es einen Riss in Samirs Kindheit. 20 Jahre später, versucht er die Wahrheit über seinen Vaters herauszufinden und reist nach Libanon.  

Der Autor ist ein Naturtalent. In einer poetischen und berührenden Sprache lernen wir die innige Vater-Sohn Beziehung kennen. Die phantasievollen Geschichten des Vaters sind eine Quelle, aus der Samir Hoffnung und Kraft schöpft, seine eigenen Wurzeln zu finden.  

Ein wichtiges und aktuelles Buch, das uns das Verständnis zum Nahen Osten näherbringt.

Berlin Verlag, 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
hans platzgumer am rand

Am Rand

von Hans Platzgumer

Gerold sitzt auf dem Bocksberg und schreibt sein Leben auf. Von Anfang an ist klar, es ist eine Anhäufung von tragischen Ereignissen, welche ihn dahin führten und man ahnt, mit dem Zitat von Nietzsche zur Einleitung der Geschichte „Gipfel und Abgrund – das ist jetzt in eins beschlossen!“, dass es nicht darum geht, zufrieden auf gelebtes Leben zurück zu blicken, sondern es mit einem kleinen Schritt zu beenden.  

Es ist die Mutter, welche an ihrem Vater leidet und er, der Sohn, sie mit einem Mord davon erlöst. Es ist sein Freund, der einen Schluck aus einer Mineral-wasserflasche nimmt; verdammt es ist Lauge! und eine Odyssee von unerträglichen Tagen zu einem Mordauftrag an ihn führen und er der Erlöser wird. Seine Freundin und er finden auf einer Reise ein Kleinkind, beide wird er auf einer Bergwanderung verlieren. Zu den grossen Ereignissen kommen kleine, welche die Tristesse noch weiter zementieren. Einzig die Momente von Kinderlachen und Gemeinsamkeiten bilden Pausen im grossen Drama.    

Platzgumer beschreibt, erklärt, philosophiert. Manchmal zu sehr. Gerold spricht über sich, erklärt sich selbst – es wäre nicht nötig, wirkt etwas pathetisch. Er vertraut nicht in die empathische Leserin oder Leser – die Gefühle sind durch die Ereignisse da, wir verstehen den Gerold. Platzgumer fügt jedoch schöne lebensphilosophische Gedanken hinzu und nimmt damit dem Lesenden die Möglichkeit es auszuhalten, in dieser trostlosen Welt.  

Wer möchte so etwas lesen? Dies dachte ich immer wieder. Nichts Wohltuendes hat dieses Buch, es führt einem definitiv aus der Komfortzone raus, an den Rand und verspricht nichts – keine Hoffnung, keine Nettigkeiten. Ein düsteres Bild mit Ratschlägen zum Schluss – hätten wir doch die Mitmenschen mehr in unser Leben gelassen.

Zsolnay Verlag, 2016

Jeannette Büsser 

 
 
 

 
 
Sarah kuttner 180 Meer

180° Meer

von Sarah Kuttner

Jule, eine junge Berlinerin, ist klug, frech, wortgewandt und doch verachtet sie sich selbst und ihre Mitmenschen. Als ältestes Kind einer depressiven Mutter musste sie allzu früh aus ihren Kinderschuhen herauswachsen und für sich und den jüngeren Bruder Verantwortung tragen. Der Vater Michael hatte die Familie verlassen, als Jule 6 Jahre alt war. Während einer Beziehungskrise mit ihrem Freund Tim flüchtet Jule zu ihrem Bruder nach London. Von ihm erfährt sie, dass Michael an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Jule bringt den Mut auf, sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen und erneuert die Beziehung zu ihrem Vater. Trotz Aufrechterhaltens der für Jule lebensnotwendigen Wut erfährt sie Heilsames.  

Die Protagonistin verfügt über eine starke, widerstandsfähige Persönlichkeit. Sie ist schonungslos ehrlich mit sich selbst und bereit, ihre Sicht auf sich und ihre Mitmenschen zu hinterfragen. Die Lesenden erhalten Einblick in Jules intimste Gedanken, was eine unmittelbare Nähe zur Protagonistin bewirkt, als wäre man/frau im Dialog mit einer engen Vertrauten.

Sarah Kuttners Sprache ist gewohnt direkt, frisch, bildhaft und prägnant. Ich empfehle 180° Meer allen am Menschen interessierten Lesenden wärmstens.

Fischer Verlag, 2016

Yvonne Leu 

 
 
 

 
 
vendela vida des Tauchers leere kleider

Des Tauchers leere Kleider

von Vendela Vida

Unglaublich, was die Hauptperson, eine Amerikanerin um die 40, in 250 Seiten alles erlebt. 

Um Abstand zu ihrem Leben in ihrer Heimat zu erlangen, reist sie alleine für ein paar Wochen nach Marokko. Nachdem ihr gleich am ersten Tag Rucksack mitsamt Geld und Reisepass gestohlen werden, ihr auf der Polizeiwache nach langem Warten ein ähnlicher Rucksack (jedoch von einer anderen Amerikanerin) ausgehändigt wird, nimmt sie, nur vorübergehend wie sie meint, deren Identität an. Bis sich alles klärt, denkt sie. Doch bereits ist sie eingetaucht in einen Sog. Mehrmals versucht sie die Missverständnisse aufzudecken. Irgendwann kann sie selber jedoch nicht mehr retour und findet sogar Gefallen am Hineintauchen in andere Leben. Denn jedes Mal scheint sie eine Schicht weiter zu ihrer eigenen Identität zu finden.

Und vielleicht war ja doch alles nur ein Traum?

Ein rasantes Buch zum Nachdenken und Schmunzeln.

Aufbau Verlag 2016 

Monika Künzler

 
 
 

 
 
die fotografin William boyd

Die Fotografin

von William Boyd

Der Autor erzählt in seinem neuen Buch das Leben der unerschrockenen Fotografin Amory Clay. Sie ist als Frau ihrer Zeit weit voraus, versucht mit ihrer Kamera die politisch-gesellschaftlichen Ereignisse festzuhalten. Ungewöhnliche Bilder aus einer neuen Sicht prägen ihre Kunst. Es ist zugleich ein Panorama durch das ganze 20. Jahrhundert.  

Die historisch gut recherchierten Fakten geben der ganzen Geschichte einen Rahmen. Der Autor bedient sich vor allem auch einem Kunstgriff, für den er schon in seinen früheren Werke bekannt geworden ist. Amory Clay hat es nie gegeben, aber er beschreibt sie so authentisch, dass man als Leser leicht in ihre Haut schlüpft, seine Fiktion wird beim Lesen Wirklichkeit.  

Dieser Eindruck verstärkt sich auch noch dadurch, dass das ganze 550seitige Werk mit passenden alten Fotos ausgeschmückt ist, die der Autor aus unbekannten Quellen gesammelt hat. Ein faszinierendes Buch, dessen mutige Heldin nicht so schnell vergessen geht!

Berlin Verlag 2016

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
be a Little analog

Be a little analog

von Hendricks Julius

Mit augenzwinkernden Denkanstössen regt uns der Autor an, über den Bildschirmrand hinauszublicken und sich Zeit zu nehmen, das Leben in seiner Vielfalt zu geniessen.

"Schenke jemandem ein Lächeln, statt einen Smiley zu verschicken."

oder

"Recherchiere in der Stadtbibliothek."

Ein kleines Geschenk für sich selber oder Leute die einem lieb sind. Fürs stille Örtchen oder die Alltagstasche...

Thiele Verlag 2016

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Wenn du Sorgen hast

Wenn du Sorgen hast, rolle einen Schneeball

von Sang-Keun Kim

Ein poetisches Bilderbuch für Klein und Gross über die Suche nach dem Glück... und wie man es im Stolpern findet!

Geschrieben und illustriert von einem koreanischen Autor.

Beltz Verlag 2015

Monika Künzler

 
 
 

 
 
Hirata

Die Regenbogen-Truppe

von Andrea Hirata

Dieser indonesische Autor liegt mir besonders am Herzen. In diesem, seinem ersten Buch, beschreibt der Autor seine Kindheitserinnerungen auf der kleinen Insel Belitung, so gross wie etwa der Kanton Graubünden. Sie liegt zwischen Sumatra und Borneo. Die Regenbogentruppe sind Kinder von Fischern und Minenarbeitern, die aus bitterarmen Verhältnissen kommen und die Dorfschule besuchen dürfen. Die junge Lehrerin lernt der Hauptperson und seinen Mitschülern nicht nur das ABC sondern auch an ihre Träume zu glauben!

Andrea Hirata weiss wovon er spricht. Seine Erinnerungen zeigen ein differenziertes Bild dieser Menschen. Hoffnung, Mut, Humor aber auch Traurigkeit und Enttäuschung prägen das Leben.

Authentische Geschichten die unter die Haut gehen!

Im Frühling 2015 ist der Folgeband zu "Die Regenbogen-Truppe" erschienen. In  „Der Träumer“ (Hanser Verlag)  ist die Hauptperson schon älter, besucht die Oberschule, jobbt unter widrigsten Umstände in Jakarta und kommt dank Stipendium und seinem unermüdlichen Durchhaltewille als Student nach Europa.    

Indonesien ist ein Land von mehr als 17 000 Inseln mit rund 240 Millionen Einwohnern, eine unglaubliche Vielfalt von Sprachen und Kulturen, die sich vor allem auch in der mündlichen Erzählkultur widerspiegelt. Andrea Hirata ist inzwischen der erfolgreichste Autor in Indonesien. Sein Debüt "Die Regenbogen-Truppe" wurde in 26 Sprachen übersetzt und auch verfilmt. Mit dem Erlös hat er auf der Insel die Schule und ein Literaturmuseum aufgebaut!

Eine Erfolgsgeschichte die mich eines lehrt: Bildung macht stark, in jeder Hinsicht!

Fischer Taschenbuch Verlag, 2015

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Die Stille unter dem Eis

Die Stille unter dem Eis

von Rachel Weaver

Die junge Tramperin Anna begegnet auf ihrer Reise nach Alaska dem Fischer Kyle. Beide lieben das unabhängige und abenteuerliche Leben in der Wildnis. So kommt ihnen das Angebot wie gelegen, zusammen als Paar auf einem Felsen vor der Küste Alaskas einen Hausmeister-Job auf einem Leuchtturm zu übernehmen. In dieser einsamen, rauhen und wetterabhängigen Gegend, versucht jeder auf seine Weise die eigenen Probleme der Vergangenheit auszuhalten.  

Was mich an dieser Geschichte fasziniert, ist das Zusammenspiel zwischen den Naturkräften und den inneren Auseinandersetzungen der Hauptfiguren. Die Komposition ist spannend angelegt. Es ist ein gelungener Mix von einem Überlebens- und Abenteuer-Roman mit psychothriller-ähnlichen Mustern ohne Mord- und Totschlag!  

Die Autorin arbeitete selber für den Alaska Forest Service. Diese Erfahrungen und Beobachtungen spiegeln sich wieder in den genauen und intensiven Beschreibungen der Landschaften und Naturgewalten Alaskas. Ein durch und durch bemerkenswertes Debüt, geschrieben in einer präzisen und geschliffenen Sprache.

Pendo Verlag, 2015

Katharina Corchia

 
 
 

 
 
Der Dieb

Der Dieb

von Fuminori Nakamura

„Die richtige Art zu leben ist, Freud und Leid richtig zu dosieren. Alles was die Welt uns bietet, ist eine Flut von Reizen. Und indem du diese Reize geschickt dosierst, kannst du sie nach Belieben für deine Zwecke nutzen.“  

Dieses Zitat ist nicht aus einem japanischen Lebenshilfebuch. Trotzdem finden sich im Roman von Nakamura weitere solche Aussagen, die das philosophische Areal im Hirn des Lesers, der Leserin vielleicht zu reizen beginnen. Es ist eine rührende Geschichte aus dem kleinkriminellen Milieu Tokios. Die Geschichte eines Diebs, welcher sich durch die Tage und Taschen von betuchten Menschen stiehlt. Der unmoralisches Handeln moralisch begründet; ein Robin Hood der postmodernen Grossstadt. Sein richtiger Name weiss niemand, dachte er und dann trifft er erneut auf die Mächtigen der Mafia – denn er ist einfach zu gut für die kleinen Diebereien und sich selber konnte er nicht zum Verschwinden bringen. Denn die Liebe zum Leben, einer Frau, einem Kind haben ihn an seinem Ort festgehalten, die Liebe als Stolperstein und zu guter Letzt bleibt ihm eine blutige Münze zu werfen, und zu hoffen. Kopf oder Zahl? Menschlichkeit oder Gier?   

Eine herzerwärmende Geschichte; ein Märchen neuerer Zeit, ebenso brutal und mit derselben Wirkung wie ein Lebenshilfebuch zur Frage „Warum sind wir hier?„.

Lesenswert! Nicht nur für Fans der japanischen Literatur. Nakamura; der asiatiasche Coelho?

Diogenes Verlag, 2015

Jeannette Büsser

 
 
 

 
 
 
Punke

Der Totgeglaubte

von Michael Punke

Soll ich wirklich ein Buch über den Wilden Westen lesen? Dafür gibt es doch die Filme! Das war anfangs meine Frage, als ich das Buch von Michael Punke in die Hände bekam. Ich las die erste Seite und versank in ein unglaubliches Abenteuer: eine wahre Geschichte um 1823 im Gebiet des Missouri und in der Nähe der Rocky Mountains. Hugh Glass, ein Pelztierjäger der von einer Company angestellt ist, wird von einem Grizzly in der Prärie angegriffen. Schwer verletzt lassen ihn zwei Kollegen im Stich. Sie nehmen ihm sein Messer, sein Gewehr und seine Ausrüstung ab und verschwinden. Er überlebt trotzdem und schlägt sich 3000 Meilen durch die Wildnis.  

Wir erfahren von ganz praktischen Überlebens-Strategien sowie von der Psyche des Menschen, der um sein Leben kämpft. Zusätzlich wird die Dramatik dieser Geschichte gesteigert durch die bildhaften Naturbeschreibungen. Es ist ein in jeder Hinsicht vielseitiger Roman. Auch die damaligen Zustände der Indianer-Stämme, die harten Verhältnisse jener Zeit weit weg von jeder Zivilisation, werden in einer ungeheuer spannenden und eindrücklichen Sprache beschrieben.

Also, wer Lust hat auf Spannung pur, bitte lesen!

Malik Verlag, 2015

Katharina Corchia

 

 

 

 
 
 

 
 
 
Wieringa

Eine schöne junge Frau

von Tommy Wieringa

Ein mitreissender, kurzer Roman. Schonungslos und präzise lässt uns der niederländische Autor  teilhaben an den sich mit der Zeit bedrohlich doch unaufhaltsam heranschleichenden Veränderungen im Leben des selbstbewussten und erfolgreichen Wissenschaftlers Edward.

Es geht in der Geschichte um moralische Auseinandersetzungen, das Älterwerden, die Kommunikation zwischen einem Liebespaar, unterschiedliche Möglichkeiten das Leben zu gestalten... letztendlich jedoch um die Fähigkeit des Mitgefühls... mit anderen wie auch mit sich selber.

Hanser Verlag, 2015

Monika Künzler

 

 

 

 
 
 

 
 
 
Eveline Hasler

Stürmische Jahre

von Eveline Hasler

Wie habe ich mich gefreut, ein neues Buch von Eveline Hasler in den Händen zu halten! Eveline Hasler gelingt es jedesmal historisch brisante Ereignisse gekonnt in einen Roman einfliessen zu lassen.  

Hauptschauplatz des neuen Buches ist das Schauspielhaus Zürich in den dreissiger Jahren. Ferdinand Rieser kauft das Schauspielhaus Pfauen mit Hilfe seiner Frau Marianne Rieser, die Schwester von Franz Werfel. Sie engagieren politisch-verfolgte Theaterleute aus Deutschland und Österreich, so dass das Schauspielhaus ein Schmelztiegel von bekannten und hervorragenden Künstlern wird, die auch nazikritische Stücke inszenieren. Eine bedeutende Rolle spielt die Fabrikanten-Familie Schwarzenbach-Wille aus Rüschlikon und die Familie Thomas Mann aus Küsnacht. Anhand dieser drei Familien lernen wir die Geschichte der Schweiz zu jener Zeit in all ihren Facetten kennen: ganz Privates der Familien und Weltgeschichte der Schweiz bzw. von Zürich.  

Einmal mehr ist es der Autorin gelungen, diese Zusammenhänge auf verständliche und virtuose Art aufzuzeigen. Bestens zu empfehlen ist auch ihr vorheriges Werk (2012): Mit dem letzten Schiff, der gefährliche Auftrag von Varian Fry.   Diese Geschichte führt dort weiter, wo es in diesem Buch aufhört.     

Nagel & Kimche Verlag, 2015

Katharina Corchia

 

 

 

 
 
 

 
 
 
Jason Starr

Phantasien

von Jason Starr

Sonntagmorgen in einem mittelständischen Viertel einer amerikanischen Kleinstadt. Autos gleiten in angepasstem Tempo durch die „angepasste“ Natur. Alles ist zurecht gestutzt und ordentlich; ordentliche Familien sagen sich nett Guten Tag, aus einer interessiert unbeteiligten Distanz heraus.   Eine Frau, die morgens schon ihren ersten Wodka braucht, um ihre Sehnsüchte und ein schreckliches Geheimnis zu verscheuchen. Der gelangweilte Ehemann, der mit erotischen Phantasien über die geschiedene Nachbarin beschäftigt ist. Die Nachbarin, die sich unvollständig fühlt und im Worldwideweb nach Ersatz sucht. Der Jugendliche, der seine Ohnmacht in Gewalt übersetzt und im Ausleben von sexuellen Phantasien mit älteren Frauen Geborgenheit findet. Ein Freund, der seine homosexuellen Neigungen mit dem Detektiv des Ortes ausleben kann ohne den Vorbildcharakter als guter Vater, guter Ehemann und nette Familie aufs Spiel zu setzen. Alle diese Personen, von sich und den anderen entfremdete, in ihren Phantasiewelten Gefangene, treffen aufeinander, konstruieren ungeheuerliche Missverständnisse, die in einem psychotischen Drama enden. Bis zum nächsten ganz ordentlichen Sonntag.    

Das Drehbuch für den Thriller hat Jason Starr gleich mitgeschrieben. Filmreife Szenen spielen sich beim Lesen selbständig ab. Doch das Buch ist wohl einiges mehr als ein spannungsgeladener Krimi. Starr lässt uns aus der Sicht jeder einzelne Charaktere verstehen, um was es nicht geht; um Wirklichkeit. Existenziell Leidende, die nach Lösungen suchen und alles schlimmer machen. Die Beteiligten sind absolut empathielos, allenfalls geben sie es vor zu sein, in ihrer Jagd nach der Erfüllung von ihren Bedürfnissen.

Ob Jason Starr einen gesellschaftskritischen Roman schreiben wollte, ist fraglich. Irgendwie tut er es; auf jeden Fall nährt er in mir eine Phantasie über amerikanische Vorortgesellschaften – allenfalls nur ein katastrophales Vorurteil, das im Starr' schen Muster zu einer nächsten Tragödie führen würde.  

Spannende Unterhaltung. Regensonntaglektüre. Lesenswert!    

Diogenes Verlag, 2015

Jeannette Büsser

 

 

 

 
 
 

 
 
 
Ruffato

Ich war in Lissabon und dachte an dich

von Luiz Ruffato

Eine zarte, berührende Erzählung welche zum Nachdenken anregt. Mit nur zwei Kapiteln, nämlich "Wie ich aufhörte zu rauchen" und "Wie ich wieder anfing zu rauchen".

Der brasilianische Autor erzählt in einfacher, poetischer Sprache mit zuweilen langen Sätzen vom alltäglichen Überlebenskampf des äusserst sympathischen jedoch etwas naiven Brasilianers Serghino in Lissabon. Wie er sich mit dem bescheidenen Wunsch, es durch fleissige Arbeit zu etwas zu bringen und zurück in seiner Heimat ein angesehener Mann zu werden, ohne Papiere und ohne Geld in der Grossstadt durchschlägt. Liebevoll beschreibt der Autor auch die schüchterne Zuneigung von Serghino zu seiner ebenfalls emigrierten und ihr Glück in Lissabon suchenden Landesgefährtin Sheila.

Schade, endet das Buch, mit dem wunderschönen und passenden Cover, bereits nach knapp 100 Seiten.    

Assoziation A Verlag, 2015

Monika Künzler

 

 

 

 
 
 

 
 
 
thrilwell

Grell & Süss

von Adam Thirlwell

Der Einstieg in Adam Thirwells neuen Roman beginnt mit einer viel versprechen-den Szene. Mit dem Aufwachen in einem Hotelzimmer in Anwesenheit einer Frau, welche nicht die Ehefrau des Ich-Erzählers ist. Völlig überfordert von diesem Seitensprung flüchtet der „Romanheld“ aus dem Hotel und geht zuerst einmal Frühstücken.   

Der Ich-Erzähler nennt sich Dauphin und betrachtet sich als etwas „Besseres“.   Er erzählt meistens rückblickend und vor allem von sich selber, aber auch von seiner Familie und seinen Freunden. Er spricht uns als Lesende direkt an und teilt uns seine Gedanken über das Leben im Allgemeinen, wie auch über das schnelle Geld, Sex, Liebe, Verlust, Moral und Drogen mit.

Und immer wieder lädt er sich zu Taten verleiten, die er eigentlich gar nicht toll findet!

S. Fischer Verlag, 2015

Eduard Hirschi

 

 

 

 
 
 

 
 
 
gardam

Ein untadeliger Mann

von Jane Gardam

Was hat auch die Autorin mit mir beim Lesen angestellt? Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich diese Geschichte gefesselt.

Es ist die erste deutsche Übersetzung. Die Britin Jane Gardam, geboren 1928, ist in ihrer Heimat bestens bekannt, hier im deutschprachigen Raum jedoch noch zu entdecken. 

Hauptfigur ist der 80-jährige Gentleman Sir Edward Feathers, mit seinem Spitznamen Old FILTH (Failed In London Try Hong Kong). Sein Leben erscheint zuerst perfekt verlaufen zu sein. Er hat eine steile Karriere als Anwalt in Südostasien hinter sich und ist nun im Ruhestand zurück in England. Als seine Frau Betty stirbt, tauchen seine Erinnerungen wieder auf. Wir erfahren rückblickend, geschickt verwoben in verschiedene Zeitebenen, was es heisst, im British Empire aufgewachsen zu sein. Ein bewegtes Leben, welches fast ein ganzes Jahrhundert umfasst.

Die präzise Sprache hat mich absolut fasziniert. Vor allem auch die unglaublich tiefgründigen Beschreibungen und Reflektionen von Feathers, ausgeschmückt mit einer guten Prise Humor.

Ein Kunstwerk und ein Highlight in diesem Bücherherbst!

Hanser Verlag, 2015

Katharina Corchia

 

 

 

 
 
 

 
 
 
higashino

Böse Absichten

von Keigo Higashino

Keigo Higashino ist einer der populärsten japanischen Kriminalschriftsteller, mehrfach preisgekrönt. 

 

Zum Plot; Der Bestsellerautor Hidaka wird kurz vor seiner Abreise nach Kanada von seinem Jugendfreund und seiner Ehefrau tot aufgefunden. Wasserfeste Alibis haben beide und ein Motiv ist für den forschenden und unermüdlichen Kommissar Kaga nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Seine Suche führt den Kommissar in die eigene Schulvergangenheit, die er mit dem Opfer teilt. Er ist gründlich und lässt sich nicht von unerwarteten Wendungen beirren. Bei der Suche nach Antworten führt uns Kommissar Kaga auf eine humoristisch trockene Weise durch den japanischen Literaturbetrieb, durch die angepassten Jugendtage und tief in die Einsamkeit einer erfolgssüchtigen Seele, die sehr präzise ihre Energie in den perfekten Mord investierte.

Es ist ein Krimi, der einem die Tramhaltestelle, wo man aussteigen wollte, absichtlich verpassen lässt. Gut konstruiert, leicht zu lesen, Literatur, das Schreiben sind zentrale Themen. Nachdem man die ganzen aberwitzigen und ins Detail genau geplanten Vorgänge verstanden hat, wirkt jedoch die Begründung, die dazu führten wie eine eiskalte Dusche. Für ein „einfach so“ - dieser ganze Aufwand? Leidenschaftslos, wie kalter Fisch. Ich konnte es nicht fassen. Higashino!

Klett-Cotta Verlag, 2015

Jeannette Büsser

 

 

 

 
 
 

 
 
 
 gravett

Noch mal!

von Emily Gravett

Die Mutter des kleinen Drachen muss ihm immer wieder die gleiche Geschichte erzählen bevor er ins Bett geht.

Wer kennt dieses Phänomen nicht? Die Erzählerin wird immer müder, die Geschichte wird immer kürzer und anders.....und das Kind ruft: NOCH MAL!

Mehr verrate ich nicht, für Überraschungseffekte ist gesorgt. Ein gelungenes und originelles Bilderbuch für Gross und Klein! 

Fischer Sauerländer Verlag, 2015

Katharina Corchia

 

 

 

 
 
 

 
 
 
 blätterdach

Riesenkrach unterm Blätterdach

von Peter Engel

Familie Buntspecht ist auf Wohnungssuche und sie hat Glück! Ein Ast auf einer alten Eiche ist noch frei. Ihre neuen Nachbarn, die Spatzenfamilie, Amsel, Maus und Käuzchen sind aber nicht begeistert. Familie Specht ist einfach zu laut! Gemeinsam eine friedliche Lösung zu finden, das ist hier das Thema. 

Die witzigen Illustrationen haben mich sehr angesprochen. Sowohl für Kinder ab 4 Jahren als auch für uns Erwachsene ein Vergnügen zum Lesen und erzählen.

Lappan Verlag, 2015

Katharina Corchia


 


 
 
 

 
 
 
 eleanor & park

Eleanor & Park

Die zarte und berührende Liebesgeschichte zwischen den Teenagern Eleanor und Park, beide Aussenseiter. Sie übergewichtig, rothaarig, auffallend, aus zerrütteter Familie mit 4 Geschwistern und tyrannischem Stiefvater. Er feingliedrig und zurückhaltend, mit asiatischen Wurzeln und einem von ihm enttäuschten Vater.

Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin die familiären Hintergründe der beiden, deren zögerliches Annähern und Kennenlernen im Schulbus. Wie Eleanor beginnt Parks Comics aus den Augenwinkeln mitzulesen, bis er ihr eins ausleiht und sie sich am nächsten Morgen darüber austauschen. Dass sie sich ineinander verlieben und diese Liebe eine Chance erhält, scheint beinahe unmöglich.

Eine überzeugende, herzzerreissende Liebesgeschichte. Für Teenager wie auch Erwachsene.

Carl Hanser Verlag, 2015

Monika Künzler


 


 
 
 

 
 
 
  Deprijck

Ein letzter Tag Unendlichkeit - Geschichte einer Lustfahrt

Johann Jakob Bodmer aus Zürich, Förderer von Wissenschaft und Kultur, lädt den deutschen Dichterfürsten Friedrich Gottlieb Klopstock im Jahr 1750 in seine Stadt ein, mit der Absicht, diesen zum Bleiben zu bewegen. Ein warmes Willkommen, die Einführung in die besten Kreise, sowie ein anregendes Unterhaltungsangebot, sollen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Ein letzter Tag Unendlichkeit erzählt in einer wunderbar bildhaften und melodiösen Sprache vom denkwürdigen Ausflug des jungen Klopstocks auf den Zürichsee, in Begleitung der Geisteskoryphäen der Stadt, welche vergnügungshalber und schon beinahe skandalträchtig für die damalige Zeit, hübsche Damen mit an Bord des Segelschiffes bringen. Die illustre Gesellschaft segelt von Zürich aus, über die noch unverbauten Ufer von Goldbach und Meilen zur paradiesisch unberührten Halbinsel Au. Eine von Glück gesegnete Gesellschaft, denn die Reisenden sind einige der Wenigen, die anders als viele ihrer Geschwister, Krankheiten - oder im Fall der Damen – sogar Geburten überlebt haben.

Klopstock verfällt von Beginn des Abenteuers weg der jungen Schönheit Anna Schinz. Es ist wohl die Ferne von der Stadt, die kaum vorhandene Kontrolle der Einhaltung der damaligen Sittenstrenge und, so lässt vermuten, das Freiheitsgefühl das einen jeden auf einem Gewässer überkommt, welches dem leichtsinnigen und genussfreudigen Klopstock den notwendigen Rahmen bietet, um mit der jungen Schönheit anzubandeln. Diese erweist sich als eine kluge, tiefgründige Denkerin, im Dialog dem jungen Klopstock ebenbürtig. Trotz Jugend und Wirken der Hormone entwickeln sich philosophische Gespräche über das Werden und Vergehen alles Lebendigen.

Die Lesenden werden auf dem scheinbar so leichtfüssigen Ausflug in die Gespräche der Gesellschaft hineingezogen, welche sich nebst alltagspraktischen Dingen mit Gedanken zu Moral, Sinnhaftigkeit und Religion befassen. Insbesondere die junge Anna Schinz überrascht Klopstock und die Leser mit ihrer Menschenkenntnis und Tiefgründigkeit:

„Über ihr raschelte es leise. Etwas wirbelte da durchs Geäst, scheinbar der Wind. Aber es war nicht der Wind. Es war etwas, das sacht mit dem Wind dahinglitt, etwas sehr Altes, etwas Immerwährendes: Das Wissen um alle Dinge.“

Unionsverlag, 2015

Yvonne Leu


 


 
 
 

 
 
 
whitehouse

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Von David Whitehouse

Der 12-jährige Bobby hat eigentlich keine Familie. Sein bester Freund zieht weg, sein Vater ist ein grober Kerl und seine Mutter vermisst er schon lange. Doch dann lernt er das spezielle Mädchen Rosa und seine Mutter Val kennen und mit ihnen eine wunderbare Freundschaft. Als sich die Lage von Bobby  zuspitzt, flüchtet die kleine Gemeinschaft mit einem gestohlenen Bücherbus quer durch England. Im Laufe der Reise versucht jede Person sich seinen persönlichen Problemen zu stellen. Dabei helfen ihnen die Bücher: „In jedem Buch gibt es irgendeinen Hinweis auf dein eigenes Leben... Auf diese Weise sind die Geschichten alle miteinander verbunden. Du erweckst sie zum Leben, wenn du sie liest, und dann wirst du das, was darin passiert, auch selbst erleben. “ (Seite 73)

Da diese  Bücherfahrt nicht ganz legal ist, ist ihnen die Polizei auf den Fersen, die Spannung wächst.....

David Whitehouse, ein Jungstar der britischen Literatur beschreibt auf ganz unsentimentale Weise, was es heisst, sein Glück zu suchen und mit seinen Freunden durch „dick und dünn“ zu gehen. Mich hat dieses Buch sehr berührt, alle diese wunderbar beschriebenen Charakteren schliesst man ins Herz und fiebert mit. Ein Buch mit Lese-Sucht-Gefahr!

Tropen bei Klett Cotta Verlag 2015

Katharina Corchia


 
 
 

 
 
 
donal ryan

Die Sache mit dem Dezember

Von Donal Ryan

Was geht in einem Menschen vor, der viel denkt und überlegt, ein guter Beobachter ist, aber all seine Gedanken und Beobachtungen nicht kommunizieren kann, da er es nicht schafft zusammenhängende Wörter und Sätze auszusprechen?

Diese besondere Gefühlswelt beschreibt der irische Autor aus der Sicht von Johnsey Cunliff in zwölf Kapiteln, von Januar bis Dezember.

Wir erfahren, wie er liebevoll von seinen Eltern auf einer kleinen irischen Farm aufwächst. Im Dorf wird Johnsey aber oft  Ziel für  andere Jungs, die ihn gerne fertig machen. Als die Eltern sterben, sieht für ihn die Welt nicht mehr gleich aus. Die Ereignisse überstürzen sich.....

Ein Buch von verblüffender und entwaffneter Ehrlichkeit mit nachdenklichen und oft urkomischen Situationen! Donal Ryan, geb. 1976 ist eine neue literarische Stimme aus Irland, die jenen eine Stimme gibt, die in der heutigen Gesellschaft keine haben!

Diogenes Verlag 2015

Kahtarina Corchia




 
 
 

 
 
 
boyle

Hart auf hart

Von T. C. Boyle

Sten, ein pensionierter Schuldirektor, wird in seinem Heimatort als Held gefeiert, nachdem er unter Einsatz von massiver Gewalt seine Reisegruppe davor bewahrt hat, von Strassenräubern ausgeraubt zu werden. Ganz anders sieht das Leben für Sten und seine Frau Carolee aus, als offensichtlich wird, dass deren gemeinsamer Sohn Adam nicht nur die Integration in die amerikanische Gesellschaft verweigert, sondern zum Schutz seiner vermeintlichen Freiheit hohe kriminelle Energien entwickelt. Adam identifiziert sich voll und ganz mit John Colter, einem Waldläufer, welcher im 18. Jahrhundert im Nordwesten Amerikas zur Legende wurde. Als Einzelkämpfer schlägt sich Adam durchs Leben und dröhnt sich den Kopf mit Drogen zu. Er verliert bald jeglichen Bezug zur realen Welt und schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Der Roman wirft unter anderem die Frage auf, weshalb die beschriebenen Gewalttaten von Stens Mitbügerrn dermassen unterschiedlich bewertet werden.

Dem Autor gelingt es von der ersten Seite an, den Leser zu packen und in die Geschichte hinein zu ziehen. Ein spannender Roman mit Haupfiguren, deren Wesen man bald zu kennen glaubt.

Hanser Verlag 2015

Yvonne Leu





 
 
 

 
 
 
ayelet gundar

Löwen wecken

Von Ayelet Gundar-Goshen

Richtig hineingezogen hat es mich in diesen Gesellschaftsroman der israelischen Psychologin und Autorin. Weshalb? Wahrscheinlich wegen der Menschlichkeit, welche die Autorin auf detaillierte, spannende, berührende, erschreckende, nachdenkliche Art und Weise beschreibt. Eingebettet in eine gut konstruierte Geschichte.

Als Neurochirurg Etan Grien nach Arbeitsende mitten in der Nacht einen illegalen Einwanderer überfährt und erkennt dass dieser sterben wird, trifft er eine folgenschwere Entscheidung: er beginnt Fahrerflucht. Doch am nächsten Morgen steht die Frau des Opfers vor seiner Haustür und macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag. Dieser wirft das Leben aller beteiligten Personen vorübergehend aus der Bahn.

Kein & Aber 2015

Monika Künzler





 
 
 

 
 
 
berg

Der Tag, als meine Frau einen Mann fand

Von Sibylle Berg

Selten machte mich ein Buchtitel so neugierig, wie der von Sibylle Bergs neuem Roman. Unglaublich. Innert Kürze erfasste mich der Lesevirus und es dauert gerademal 3 Tage bis ich wusste, wie Chloe, eine der beiden Hauptfiguren, zu ihrem Mann fand! Mehr noch. Ich konnte die beiden Fragen auf der Buchrückseite, „Ist Sex lebensnotwendig? Oder doch eher die Liebe?“, klar beantworten.

Ich mag die Überschriften und die kurzen Kapitel von Sibylle Berg. Der Schreibstil und die Sprache faszinierten  mich über das ganze Buch hinweg. Die Kapitel sind in sich sehr stimmig und sind eine perfekte Stütze um nach einer Lesepause gleich wieder in die Geschichte einzutauchen.

„Der Tag als meine Frau einen Mann fand“ ist eine bewegte Beziehungs-geschichte. Sie zeigt, wie wichtig der eigene Lebensraum ist und dass Klarheit, Toleranz, Grosszügigkeit und Vertrauen in die eigenen Gefühle die Basis für eine funktionierende Beziehung sind.  Beim Lesen habe ich mich gefreut, habe mitgelitten, war schockiert. Der einzige kritische Punkt im Buch war der Moment, in welchem ich das Gelesene fast nicht mehr aushalten konnte.... ich habe jedoch weitergelesen und wurde in einer Weise überrascht, dass meine Anspannung sich legte. Eine Welt tat sich auf, die mich neue Erfahrungen machen liess.  So wie für die beiden Figuren Rasmus und Chloe.

Hanser Verlag 2015

Eduard Hirschi


 
 
 

 
 
 
mcewan

Kindeswohl

Von Ian McEwan

Fiona, eine renommierte fast sechzigjährige Familienrichterin, erlebt, wie ihr geliebter Alltag in Schieflage gerät. Nach dreissig Ehejahren macht ihr Ehemann einen Vorschlag, der sie verständnislos und zornig zurück lässt. Fiona, die sich manchmal auf den Meeresgrund wünscht, taucht weg, in die Konstrukte ihrer Fälle. Ambitiös, ehrgeizig, pflichtbewusst. Dann erscheint in ihren Akten ein junger Mann, über dessen Leben sie zu entscheiden hat. Erst in drei Monaten erreicht er seine Volljährigkeit. Aus ihrem Gefühlschaos heraus wirft sie sich in den Fall und überschreitet die Grenzen des Gerichtssaals, auf der Suche nach einem Rettungshalm. Religion versus Vernunft. Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung. Überlegungen zu Kindeswohl und Elterninteressen. Adam Henry führt sie durch sein Dilemma und sie lässt sich berühren von seiner naiven Unschuld und seiner Intelligenz. Fiona weicht auf, neue Lebensenergie beginnt zu fliessen, sie spielt wieder Klavier. Im entscheidenden Moment fehlt ihr jedoch die nötige Aufmerksamkeit, um sich aus der Robe der Richterin zu befreien und sich nochmals mutig ausserhalb von Rollenerwartungen zu bewegen.

McEwan beschreibt unglaublich präzise und fesselnd wie rapide ein gutes Leben leer wird, obwohl Status und Beruf noch da sind. Kann man sich in seinen Rollen verlieren, muss man sich daran festhalten, geben sie wirklich halt? Fiona versucht alles und mehr und man möchte ihr zurufen: hör doch einfach zu! Sag etwas! Und wenn man wie sie, ein Glas mit Calvados in der Hand hätte, müsste man es verzweifelt runter stürzen ob soviel pflicht-versessener Insichgekehrtheit. Sie hat ihren eigenen Rythmus zwischen Abgetrenntsein und Verbindung-aufnehmend hin und her zu pendeln. Es ist ein langsames Nachspüren und in ihrer Hingabe zu Mahler findet sie teilweise zurück zu sich. McEwan hatte wohl die Juristerei und ihren ethischen Unterbau im Fokus, gleichzeitig erzählt er die Geschichte einer kinderlos alternden Frau, die Gefahr läuft, sich und ihre wichtigste Beziehung zu verlieren.

Letztes Jahr erschien „Honig“. Es war gut gemacht, begeistert hat es mich nicht. Das diesjährige Buch von Ian MacEwan lässt mich glauben, das beste Buch des Jahres 2015 schon im Januar gelesen zu haben.  Absolut lesenswert. Bevor der Film kommt! Der kommt sicher bald. (Behauptung).

Diogenes Verlag 2015

Jeannette Büsser


 
 
 

 
 
 

Drei spezielle Bücher zum Verschenken

Sockenschlacht

In sechs unterschiedlichen Kinder-welten der heutigen Grosseltern- und Urgrosselterngeneration lesen wir von ihren Spielen, Flüchen, Liedern, Krankheiten, Lieblingsessen, ihren Sorgen, ihrer Arbeit und ihren Familien.  Ein Buch für Kinder und Erwachsene, zum Vorlesen und Selberlesen.  Das Buch ist für Kinder eine Anregung zum Eintauchen in eine fremde Kindheit und eine fremde Zeit, für Erwachsene ist es eine Anregung zum Nachdenken über die eigene Kindheit und zum Erinnern und Erzählen davon. Es macht die Schweiz von früher für Kinder fassbar und verbindet die Biografien von Generationen, indem es anregt zu fragen: Wie war es bei dir?

Weihnachtsreise

Anja wünscht sich nichts sehnlicher, als einmal dem Weihnachtsmann bei seinen Vorbereitungen zu helfen. Und so begibt sie sich auf eine wunder-bare Reise durch magische  nordische Winterlandschaften. Unterwegs trifft sie unterschiedliche Tiere. Sie alle helfen ihr, den Weg zum Weihnachtsmann zu finden.    Als sie Morgens in ihrem Bett erwacht, ist sie gar nicht mehr sicher ob es vielleicht doch nur ein Traum war...
Atemberaubende Fotos machen die Geschichte eines Mädchens, das unbeirrt seinem großen Traum folgt, zu einem wunderschönen Augenschmaus.

Tropfen

Flocke war die ganze Zeit auf ihrer Wolke geflogen. Jetzt möchte sie gern hinabschweben und sich an einem schönen Ort niederlassen. Tropfe hatte lange Zeit in einem Tintenfässchen zugebracht. Nun möchte er auf einem berühmten Gemälde weiterleben. Doch das Schicksal hat etwas ganz anderes vor ...
So zauberhaft und einzigartig wie der erste Schnee des Winters, und der Beweis, wie ein Zufall ein ganzes Leben verändert.
Eine ungewöhnliche Erzählung für Kinder wie für Erwachsene und eine Liebesgeschichte voller Alltagspoesie über den Zauber der ersten Begegnung.

 
 
 

 
 
 
manja

Manja. Ein Roman um fünf Kinder

von Anna Gmeyner

Anna Gmeyners Debutroman erschien zum ersten Mal 1938 in Amsterdam und wurde jetzt wieder neu entdeckt. Die Autorin ist 1902 in Wien geboren (1991 in New York gestorben), lebte oft im Exil und schrieb auch viele Drehbücher.  

Die Geschichte Manja handelt in Berlin von 1920 – 1934, von fünf Kindern, die alle in der gleichen Nacht gezeugt wurden. Sie wachsen alle in unterschiedlichen Milieus auf: Karl entstammt einer klassenbewussten Proletarierfamilie, Heini dem liberalen, humanistisch gebildeten Bürgertum, Franz dem sozial verfallenden Kleinbürgertum, der Halbjude Harry dem reichen Großbürgertum und Manja einer armen, ostjüdischen Einwandererfamilie. Sie ist die Hauptfigur im Roman und zugleich die Heldin der vier Jungs. Die Kinder treffen sich regelmässig auf einem Ruinengelände am Stadtrand und versuchen so lange als möglich ihre Freundschaft aufrecht zu erhalten im Gegensatz zu den Erwachsenen, die sich durch die politischen Veränderungen gegenseitig misstrauen und verfeinden.

Akribisch genau erzählt die Autorin, wie sich der Nationalsozialismus entwickelte, wie die infame Propaganda langsam überhand bekommt und schlussendlich auch die Kinder massiv unter Druck setzt. Ganz einzigartig und faszinierend ist die Erzählkomposition: Die Erzählebene der Kinder und deren Eltern geben einen ganzheitlichen Einblick in die Gesellschaft jener Zeit. Die Krönung des Buches ist aber die poetische Sprache, durchzogen mit peinlich genauen Beschreibungen der Innenwelt und Aussenwelt der Personen. Und genau dies macht ein intensives Leseerlebnis aus.  

Aufbau Verlag, 2014      

Katharina Corchia

 

 

 
 
 

 
 
 
wedernoch

Die Wedernoch

von Stefan Bachmann

Der zweite Band von Stefan Bachmann, dem in Adliswil ZH lebenden und erst 21-jährigen Autor, ist mindestens ebenso packend wie dessen Erstlingswerk „Die Seltsamen“.

Wir befinden uns wiederum in London, ähnlich wie wir es von Charles Dickens her kennen. Pferdekutschen befördern die illustren Gäste, Fabrikschlote qualmen und ein Waisenjunge namens Pikey, welcher bald eine wichtige Rolle im Fortgang der Ereignisse einnehmen wird, lebt alleine auf der Strasse. Anders jedoch als wir gewohnt sind, tummeln sich dampfbetriebene Maschinen und zahlreiche Feenarten unter den Menschen. Eine Welt, die uns vertraut und zugleich fremd erscheint. Hauptfigur der Geschichte ist das Mädchen Hattie, welches von einer Menschenmutter und einem Feenvater abstammt. Hattie ist den Leserinnen und Lesern von „Die Seltsamen“ bereits aus dem ersten Band bestens bekannt, in welchem das Mädchen in die Feenwelt verschleppt wurde. Hattie verfügt über die Gabe oder den Fluch, als Tor zwischen Menschen- und Feenwelt zu dienen. Der Feenkönig (The Slay King) plant die Beendigung der Menschenherrschaft. Für die Umsetzung seines Planes, die Rückeroberung der Stadt London, ist Hatties Gabe deshalb ungemein wichtig. Mutig und mit bemerkenswerter Ausdauer versucht Hattie aus dem Feenreich zu fliehen, während ihr grosser Bruder Bartholomew einen Weg in die Feenwelt hinein sucht, um seine Schwester wiederzufinden. Hattie verfügt weder über Körperstärke noch Schönheit oder Reichtum, dafür jedoch über unerschütterliches Vertrauen in die Menschen, die sie lieben und über ein reines Herz.

Wird es Hattie mit Hilfe ihres Bruders gelingen, den Einmarsch der Feen in London zu verhindern? Lesen Sie selbst die packende und berührende Geschichte der Wedernoch.

Diogenes Verlag, 2014      

Yvonne Leu

 

 

 
 
 

 
 
 
jokinen

Gefallene Engel

von Seppo Jokinen

Seppo Jokinens Kommissar Koskinen ist geschieden. Seine Teamkollegen versuchen ihn darum ständig zu verkuppeln. Und weil er täglich unzählige Kilometer joggt, wird er von seinen Kollegen belächelt. Was sie und anfänglich auch der Leser nicht wissen: seine besten Ideen zur Lösung der Fälle gewinnt er während dem Joggen.

Koskinen und sein auserwähltes Team ermitteln in diesem Fall in einem Heim für betreutes Wohnen. Ein querschnittgelähmter Mitbewohner wird ermordet aufgefunden, und es ist nicht der Letzte! Ein Fall mit vielen menschlichen Verstrickungen und Abgründen und dazu eine kräftige Prise schwarzen Humor!

2001 bekam dieser Krimi den finnischen Krimipreis und wurde erst jetzt übersetzt, da Finnland an der Frankfurter Buchmesse im Oktober als Gastland auftritt.  

Ars Vivendi Verlag 2014, Fr. 27.90   

Katharina Corchia

 

 

 
 
 

 
 
 
sunilmann

Faustrecht

von Sunil Mann

Was haben ein Schweizer- und ein finnischer Krimi (siehe oben erwähnter "Gefallene Engel") gemeinsam, abgesehen davon, dass sie im selben Jahr in Deutsch erschienen sind? Man könnte meinen nicht viel, aber dennoch...... Beide Autoren verstehen es aufs Meisterhafte den Leser durch die Tiefen und Höhen, durch menschliche Freuden und Leiden zu führen und dabei auf das peinlichste genau alles psychologisch zu durchleuchten!  Sie verführen den Leser mit einer bildhaften Sprache, so dass man darin wie in einem gelungenen Film versinkt.  

Sunil Manns Privatdetektiv V. J. Kumar hat indische Wurzeln, so wie auch der Autor selber. Das verleiht dem Buch eine zusätzliche Raffinesse. Denn mit viel Witz und Komik beschreibt er seine indische Verwandtschaft, die ihn drängt endlich Vater zu werden. Das indische Take-away seiner Mutter verwöhnt und verführt uns Leser mit unwiderstehlichen kulinarischen Beschreibungen. Im Asylzentrum Altstetten kommt es zu einem Mord, V. J. Kumar muss sich mit rechtspopulistischen Politikern auseinandersetzen sowie mit einer wiedererweckten Geheimorganisation. Eine Verfolgungsjagd (die gekidnappte Stadtpräsidentin im Gepäck!) durch Zürich mit mehreren „Feinkost-Bianchi-Lieferwagen“ mündet in einem überraschenden Ende!  

Sunil Mann hat den Zürcher-Krimi-Preis 2010 für sein Krimidebüt Fangschuss bekommen, dieser hier ist sein 6. Fall.

Grafit-Verlag 2014, Fr. 17.90 

Katharina Corchia

 

 

 
 
 

 
 
 
guen

Wider den Gehorsam

von Arno Gruen

Niemand anders als der Autor selbst vermag es besser, den Inhalt dieses brillianten Büchleins wiederzugeben. Deshalb zitiere ich im Folgenden kurz aus seinem Text:  

Ein Kind ist nicht in der Lage, sich gegen die drohende Kälte elterlicher Autorität zur Wehr zu setzen…Mit dem Gehorsam geben wir unsere eigenen Gefühle und Wahrnehmungen auf. Wird ein Mensch im Verlauf seiner Identitätsentwicklung einmal dazu gezwungen, verläuft seine Entwicklung nach völlig anderen Regeln, als es das heutige psychologische Denken annimmt und vorgibt: Das Festklammern an der Autorität wird dann zum Lebensgrundsatz. Obwohl man die Autorität hasst, identifiziert man sich doch mit ihr. Man kann gar nicht anders. Die Unterdrückung des Eigenen löst Hass und Aggressionen aus, die sich aber nicht gegen den Unterdrücker richten dürfen, sondern an andere Opfer weitergegeben werden…   

Der bekannte Psychoanalytiker Arno Grün erklärt schlüssig auf knapp 80 Seiten, welche Gefahr Menschen für sich und andere darstellen, deren grundlegendste Gefühle und Bedürfnisse von Geburt her missachtet und abgewertet wurden. Er zeigt auf, wie sehr der Mensch als soziales Wesen von der Liebe und Beachtung seiner primären Bezugspersonen abhängig ist, um eine eigene Identität und hinreichend Selbstvertrauen entwickeln zu können, welche ihm eine eigenständige Meinung und die Abgrenzung vom Willen der ihn umgebenden Autoritätspersonen ermöglichen. Am Beispiel von Diktaturen (wie beispielsweise dem Dritten Reich) beschreibt der Autor die enormen, unendlich leidvollen Auswirkungen, welche das Diktat des Gehorsams im Lauf der Geschichte nicht nur bei einzelnen Personen, sondern in ganzen Völkern bewirkt hat. Den Lesenden wird augenscheinlich, dass dem destruktiven Gehorsam mit Mut, Empathie und offenem Denken entgegen getreten werden muss, zur Sichtbarmachung einer besseren Welt.     

Wider den Gehorsam bietet lehrreichen, enorm wichtigen Lesestoff für Gymnasialklassen und Ethik-Diskussionen sowie auch für Arbeitgeber/-nehmer und Pädagogen, welche sich mit dem gegenwärtigen Phänomen des Mobbings und des Fremdenhasses auf einer tiefenpsychologischen Ebene befassen möchten.

Klett-Cotta Verlag, 2014

Yvonne Leu 

 

 

 
 
 

 
 
 
vangogh

Die Witwe der Brüder van Gogh

von Camilo Sanchez

Der Autor beschreibt aus der Sicht von Johanna van Gogh Borger (verheiratet mit Theo van Gogh, dem jüngeren Bruder vom Maler Vincent van Gogh) die Familie Van Gogh und die Pariser Gesellschaft um 1890. Teils aus ihren Tagebüchern aber auch aus den Briefen der Brüder, erleben wir ein absolut faszinierendes Portrait jener aufregenden Zeit der Jahrhundertwende.  

Nach dem Selbstmord von Vincent stirbt einige Monate später Theo, denn er hat sich nicht mehr erholt vom Tod seines innig geliebten Bruders. Zurück in Holland hat Johanna ein Ziel: die Werke des verkannten Künstlers van Gogh bekannt zu machen. Sie organisiert die ersten Ausstellungen und editiert einige Jahre später den umfangreichen und aufschlussreichen Briefwechsel der Brüder Van Gogh.

Eine neue Geschichte einer starken Frauenfigur, die aus dem Frauen-Schattendasein jener Zeit heraustritt und sich dieser Lebensaufgabe widmet, von der wir heute noch profitieren. Ein Buch zum Eintauchen in eine andere Zeit!

Unionsverlag, 2014, Fr. 28.90 

Katharina Corchia